Berlin : In Spandau legen die Ladenbesitzer für die Kunden rote Teppiche aus

Rainer W. During

"Es wurde lange genug geredet, jetzt muss gehandelt werden" sagt Ingrid Jahn. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Altstadt, die für frischen Wind in der Fußgängerzone sorgen will. Eine Vielzahl von Aktionen "mit Sinn und Verstand", so der AG-Chef Lothar Thöns, soll rechtzeitig zum Baubeginn des neuen Shopping-Centers "SpandauArcaden" am Fernbahnhof die Bummelmeile zwischen Rathaus und Juliusturm neu beleben.

"Wir rollen den roten Teppich für Sie aus" ist das Motto der ersten Kampagne. Bereits 61 Altstadt-Geschäfte haben sich einer Werbegemeinschaft angeschlossen und zahlen monatlich eine Mark pro Quadratmeter Verkaufsfläche in einen Aktionsfonds. "In den Einkaufscentern ist in der Regel der vierfache Betrag bereits im Mietvertrag festgelegt", betont Ingrid Jahn. Da konnte man bisher nicht gegenhalten. Das soll jetzt anders werden.

Die 61 Firmen - man hofft noch auf weitere Teilnehmer - werden jeweils einen ein mal zwei Meter großen, roten Teppich vor die Ladentür legen. Er soll Kundenfreundlichkeit zu erkennen geben. Ein Transparent gleich am Rathausvorplatz zeigt den mit Bus oder Bahn anreisenden Gästen dies an: "Willkommen in der Altstadt Spandau". Zum Aktionsstart am 3. September um 10 Uhr 30 rechnet man trotz oder gerade wegen des Wahlkampfes mit grosser Beteiligung der Bezirkspolitiker aller Parteien. Hostessen werden Blumen verteilen, und die ersten 20 Besucher erhalten Geschenke der Geschäftsleute.

Das ist aber nur der Auftakt. Ungefähr zwei Wochen später sollen die ersten "Saubermänner" in der Altstadt patrouillieren und jeden Ansatz einer Verschmutzung im Keim ersticken. Mit dem zuständigen Polizeiabschnitt will man eine stärkere Kontrolle der Einhaltung der Lieferzeiten durch Lastwagenfahrer initiieren und einen neuen Vorstoß gegen das verbotswidrige Radfahren in der Fußgängerzone unternehmen. Beantragt wurde dagegen die Zulassung von zwei Velo-Taxis, die Kunden mit ihren Einkäufen zu den umliegenden Bushaltestellen und Parkhäusern - oder auch weiter - befördern sollen.

Abgelehnt wird dagegen, wie zuvor schon vom Fußgängerschutzverein, die von Bezirksamt und BVV befürwortete Einrichtung einer Linienbusverbindung durch die Fußgängerzone. "Mit uns, die wir einen Großteil der ansässigen Geschäftsleute vertreten, wurde nicht gesprochen" kritisierte Lothar Thöns. Busse in der Altstadt würden ein Sicherheitsrisiko für die Passanten darstellen. Zwischen 19 und 11 Uhr seien die engen Straßen obendrein durch die Lieferfahrzeuge blockiert. Viele Großveranstaltungen wären ebenfalls gefährdet. Die AG Altstadt fordert stattdessen die Wiederherstellung der Anbindung der nördlichen Fußgängerzone durch die Buslinien 130 und 137 zum U-Bahnhof Altstadt Spandau.

Bei den motorisierten Kunden soll verstärkt mit der verkürzten Parkraumbewirtschaftung geworben werden, die bereits ab 17 Uhr ein unentgeltliches Abstellen der Fahrzeuge erlaubt. Nachdem die zuständige Senatsverwaltung eine Gebührensenkung abgelehnt hatte, wird mit dem Bezirksamt über eine weitere Verkürzung der Bewirtschaftungszeit verhandelt. Ein Beginn um 10 statt um 9 Uhr oder ein auf 15 oder 16 Uhr vorgezogenes Ende könnten die Attraktivität der Altstadt weiter steigern, hofft Thöns.

Nach wie vor uneins sind sich die Ladenbesitzer über die immer wieder geforderte Vereinheitlichung der Öffnungszeiten ihrer Geschäfte. So werden zwar gegenwärtig große "Wir sind für Sie da"-Aufkleber gedruckt, jedoch in vier Varianten mit Schließungszeiten von 19 bis 20 Uhr30.

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