Berlin : In vielen Berufen gehört der Wochenenddienst zum ganz normalen Arbeitsalltag

Silke Edler

Immer mehr Geschäftsinhaber in Berlin setzen sich mit sonntaglichen Ladenöffnungen über das Ladenschlußgesetz hinweg. Während die Kunden dieses Angebot begrüßen, sind Mitarbeiter und Gewerkschaften sauer - der heilige Sonntag soll erhalten bleiben. Während Sonntagsarbeit im Einzelhandel noch verpönt bleibt, ist sie in vielen Berufssparten seit eh und je so fest in den Dienstplänen verankert, wie die Arbeit an Feiertagen, Früh-, Spät- oder Nachtschichten. "Von uns wird erwartet, dass wir an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr im Einsatz sind", sagt Wolf-Joachim Kühl von der Feuerwehr. Eingeteilt wird nach dem Prinzip: Jeder ist mal dran. "Das ist kein Problem für die Mitarbeiter", sagt Kühl. Immerhin bekommen sie Sonntagszuschlag von rund 95 Mark und Abbummelzeiten.

Gleiches gilt für Beamte der Schutzpolizei, die für ihren Sonntagseinsatz ebenfalls eine Zulage bekommen. Fünf Mark je Stunde gibt es für den "Dienst zu ungünstigen Zeiten", dazu gehört die Sonntagsarbeit ebenso wie die Nachtschicht. Debatten um die Einteilung gibt es nach Auskunft eines Polizeispressesprechers unterdessen nicht. "Es gibt Kollegen, die gerne Sonntags arbeiten, weil der Zuschlag natürlich reizt."

Andere, vor allem Familienväter, verzichteten eher auf die Sonntagsschichten. Neben Gesetzeshütern und Feuerwehrleuten ist auch in den Krankenhäusern die Sonntagsschicht normal. Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern stehen rund um die Uhr bereit.

Schichtweise arbeiten ebenfalls die Mitarbeiter der Berliner Wasserbetriebe. Immerhin darf die Wasser- und Abwasserversorgung auch am Wochenende nicht brachliegen.

Zur Sicherung der Stromversorgung sind am Wochenende bei der Bewag etwa tausend Mitarbeiter in den Kraftwerken, im Entstörungsdienst sowie in der Haus- und Netzüberwachung im Einsatz.

Im Freizeit- und Kulturbereich gehörte Sonntagsarbeit immer zum Geschäft. Niemand fragt beispielsweise die Kapitäne der Ausflugsdampfer, ob sie sonntags gerne arbeiten. Welche Biergarten-Servierin ist schon zu beneiden, wenn sie ihr Tablett durch die Sonntags-Ausflügler jongliert? Überhaupt: Was wäre die Gastronomie ohne Sonntagsgeschäft? Zur arbeitenden Bevölkerung am Sonntag zählen ganz selbstverständlich auch die Schwimmmeister. "Das gehört zu einem Dienstleistungsbetrieb", sagt Manfred Radermacher, Sprecher bei den Berliner Bäder-Betrieben (BBB). Dienstleistung ist auch der sonntägliche Einsatz von Bussen und U-Bahnen.

Ganz normal ist am Wochenende auch das Bild von Pförtnern und Wachschutz in großen Betrieben. Groß wäre auch die Empörung, wenn Journalisten und Drucker sonntags einfach nicht zur Arbeit erschienen. Ein Sonntag ohne Predigt wäre für so manchen Kirchgänger ebenfalls befremdlich - wenngleich die Kirche sich einhellig gegen die Sonntagsarbeit ausspricht.

Ähnlich widersprüchlich handelt auch Robert Rath vom Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (LAGetSi). Seine Abteilung verhängt Bußgelder über jeden Geschäftsinhaber, der sonntags illegal sein Geschäft öffnet. "Ich selber arbeite gerne am Wochenende, immerhin hat unsere Behörde eine dienende Rolle in der Öffentlichkeit", sagt Rath. Zu den Aufgaben des Landesamt für Arbeitsschutz gehört nicht nur die Überprüfung der Ladenöffnungszeiten, sondern auch die Beobachtung der Wasserqualiät der Berliner Badegewässer.

Sehr fortschrittlich zeigt sich übrigens seit langem der Zoologische Garten. Hier wird seit mehr als 150 Jahren sonntags wie feiertags gearbeitet. "Die Tiere wollen eben immer gefüttert werden", sagt Michael Hilbert, Prokurist im Zoologichen Garten.

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