Berlin : In Zehlendorf fallen Bäume reihenweise

Bezirk: Wegen Unregelmäßigkeiten im Grünflächenamt werden Rückstände in der Baumpflege aufgeholt

Christian van Lessen

Sind in Zehlendorf in letzter Zeit zu viele Bäume gefällt worden? Viele Anwohner sind überzeugt davon. Ob etwa an der Pacelli- oder Thielallee, im Fischtalpark oder in Im Schwarzen Grund: Überall wurden Bäume abgeholzt. Die Zahl dürfte in die Hunderte gehen. Der zuständige Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD), der etliche Beschwerdebriefe erhielt, versichert, es gehe allein um die Pflege des Baumbestandes. Wegen „früherer Unregelmäßigkeiten“ im Grünflächenamt sei der Bezirk damit in Verzug geraten.

Besonders groß ist der Ärger Im Schwarzen Grund, wo eine Reihe von mehr als 20 Rotfichten abgeholzt wurde. Sie flankierten den Parkweg vor einigen Privatgrundstücken. „Wie kann man gesunde Bäume fällen?“ fragt Rudolf Leineweber, ein Jogger, der die Aktion fotografierte. Mit Rudolf Thomas und Peter Meyerhof, die in der Umgebung wohnen, will er eine Bürgerinitiative gründen und vom Bezirk Akteneinsicht verlangen.Die Gründe des Grünflächenamtes überzeugen sie nicht. Es hatte ihnen mitgeteilt, wegen Sturms und Orkans in den vergangenen Jahren hätten sich „größere Lücken in der Gehölzkulisse“ gezeigt. Bei den verbliebenen Bäumen seien deshalb die „Windangriffsflächen“ größer, die Umsturzgefahr höher geworden.

Stadtrat Stäglin ergänzte, die Rotfichten seien zu lang und zu dünn gewesen. Für Vermutungen, die Bäume seien auf Drängen von Grundstückseigentümern, die eine bessere Sicht haben wollten, beseitigt worden, „gibt es keinen Hinweis. Es ist alles rechtens.“ Ein Parknachbar, sagte Stäglin, wolle 20 neue Bäume bezahlen. Über die geplante Fällaktion habe er im übrigens schon im November im Stadtplanungsausschuss berichtet.

Stäglin sieht die beobachteten Fällaktionen im Zusammenhang mit früheren „Problemen im Amt“. Jetzt erst würden Bearbeitungsrückstände bei der Baumpflege deutlich. Bezirksmitarbeiter seien bis 2003 in ihrer Arbeitszeit auf private Rechnung tätig gewesen. Wie berichtet, beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahren die Staatsanwaltschaft mit dem Naturschutz- und Grünflächenamt Steglitz- Zehlendorf. Das Bezirksamt hatte im Oktober 2002 Anzeige wegen der Unregelmäßigkeiten erstattet. Gegen drei ehemalige Mitarbeiter wird wegen Diebstahls, Betrugs und Untreue ermittelt. Der Prozess gegen einen Inspektionsleiter, der einem „Verräter“ mit dem Tod gedroht haben soll, läuft.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben