Berlin : In zwölf Jahren zur Reifeprüfung, aber dafür Sonnabend zur Schule

Regierungskoalition will radikale Verkürzung der Abiturzeit

Susanne Vieth-Entus

In der Regierungskoalition herrscht Einvernehmen darüber, nun doch eine Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre anzupeilen und dafür sogar Samstagsunterricht in Kauf zu nehmen. „Alle haben gesagt, dass sie die zwölf Jahre wollen“, sagte Bildungssenator Klaus Böger (SPD) gestern dem Tagesspiegel nach einer Sitzung der Bildungspolitiker von SPD und PDS. Dennoch will er heute zunächst seinen Gesetzentwurf zur Verkürzung des Abiturs auf zwölfdreiviertel Jahre ins Parlament einbringen.

„Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach“, begründete Böger das Festhalten an seinem umstrittenen Entwurf. Noch sei ja gar nicht klar, ob sich die radikale Verkürzung um ein volles Jahr durchsetzen lasse. Deshalb sei es besser, erstmal die kleine Lösung auf den parlamentarischen Weg zu bringen. Gleichzeitig werde er aber bei der Kultusministerkonferenz (KMK) einen Antrag auf das Abitur nach zwölf Jahren stellen, sobald die Fraktionen ihm offiziell einen „Prüfauftrag“ geben.

Die Verkürzung um ein ganzes Jahr wirft die Frage auf, wie das gleichbleibend hohe Unterrichtspensum von 265 Stunden „untergebracht“ werden kann. „Ich glaube, wir sollten alle zwei Wochen am Sonnabend Unterricht einführen“, meint Böger. „Damit hätte ich kein Problem“, sagt auch die schulpolitische SPD-Sprecherin Felicitas Tesch. Beide plädieren aber grundsätzlich dafür, den Schulen selbst die Entscheidung zu überlassen, ob sie die Unterrichtsstunden nachmittags oder sonnabends unterbringen.

PDS-Schulexpertin Siglinde Schaub hätte ebenfalls nichts gegen den 14tägigen Sonnabendsunterricht einzuwänden. Konsens in der Koalition ist, dass die Verkürzung des Abiturs weder zu einer Senkung der Abiturientenzahlen, noch zur Abschaffung der sechsjährigen Grundschule führen darf.

Für FDP-Bildungspolitikerin Mieke Senftleben ist es eine „Farce“, dass Böger den überholten Gesetzentwurf für ein Abitur nach zwölfdreiviertel Jahren heute ins Parlament einbringen will, während doch der Zug bereits in Richtung zwölf Jahre fährt. Auch in Brandenburg gibt es vehemente Befürworter der Abiturzeitverkürzung. Voraussichtlich werden beide Länder zusammen einen entsprechenden Antrag bei der KMK stellen. Falls das alles zügig geht, könnte die Verkürzung auf zwölf Jahre bereits in das neue Schulreformgesetz einfließen, dass vor der Sommerpause ins Parlament soll, erwartet Böger.

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