• In zwölf Minuten war das Konzerthaus geräumt Evakuierung statt Ouvertüre – Großeinsatz für

Berlin : In zwölf Minuten war das Konzerthaus geräumt Evakuierung statt Ouvertüre – Großeinsatz für

die Feuerwehr am Gendarmenmarkt

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Statt der Ouvertüre zu Josef Suks „Märchen eines Winterabends“ gab es im Konzerthaus am Gendarmenmarkt am Samstagabend einen Großeinsatz der Feuerwehr. Fünf Minuten vor Beginn des Konzerts des Berliner SinfonieOrchester schrillten die Alarmglocken, schwarzer Qualm zog aus dem Souterrain in die Haupthalle. Da der Rauch sehr ätzend roch, entschied das Management sofort: alle raus. Innerhalb von zwölf Minuten war das Haus geräumt. Panik gab es nicht, im Gegenteil: Alle Besucher konnten sogar noch ihre Mäntel an der Garderobe abholen, „es schneite ja“, sagte ein Haustechniker gestern.

Das Mini-Feuer in einem Gang im Verwaltungstrakt – dort brannten Müllsäcke auf einem Palettenwagen –war zu dieser Zeit schon von einem Angestellten mit einem Feuerlöscher bekämpft worden. Die Feuerwehr, die automatisch durch die Brandmeldeanlage alarmiert worden war, musste ihre Schläuche nicht mehr ausrollen. Das Haus trug keine Schäden davon, „wir müssen nicht einmal den Gang renovieren“, sagte der Haustechniker. Offen ist, wieso der Müll dort abgestellt wurde, „unsere Putzfirma hat da nichts zu suchen“, hieß es gestern. Die Polizei vermutet eine Zigarettenkippe als Brandursache. Klar scheint, dass das Feuer nicht absichtlich gelegt wurde. Da die Alarmierung mit dem Zusatz „Kulturgut“ gekennzeichnet war, kam ein Großaufgebot zum Gendarmenmarkt, der vielen Beamten noch wegen des Feuers im benachbarten Deutschen Dom im Oktober 1994 in schlechter Erinnerung ist.

Gestern „müffelte“ es nur noch an einigen Stellen, wie eine Sprecherin sagte, das habe die Sonntagskonzerte aber nicht behindert. Ein Techniker sagte, dass es überhaupt das erste Konzert in den letzten 20 Jahren gewesen sei, das wegen eines technischen Defekts ausgefallen sei. An der Kasse des Konzerthauses können Karten zurückgegeben oder umgetauscht werden, Abonnenten bekommen in den kommenden Tagen Post, sagte eine Sprecherin gestern.

Dass auf dem Gendarmenmarkt das von Karl Friedrich Schinkel als Schauspielhaus errichtete Gebäude steht und nicht der Vorgängerbau des Langhansschen Nationaltheaters, geht letztlich auf ein Feuer zurück, das nicht so glimpflich verlief. Am 29. Juli 1817 war der Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Bau bei einem Großbrand völlig zerstört worden. Unachtsamkeit bei Arbeiten unter dem Dach soll die Ursache gewesen sein, dort lagerten Kostüme, Perücken und Kulissen. Stundenlang brannte das Theater, den ganzen Tag ein Magnet für die Schaulustigen.

Nur mit Mühe konnte die Feuerwehr die Ausbreitung des Brandes auf umliegende Wohnviertel verhindern. Auch die Wohnung des Dichters und Komponisten E. T. A. Hoffmann an der Charlotten- Ecke Taubenstraße war gefährdet. „In den vorderen Zimmern sprangen nachher sämtliche Fensterscheiben, und die Ölfarbe an den Fensterrahmen und Türen tröpfelte von der Hitze herab“, schrieb er. Betroffen war Hoffmann auch als Künstler. Der Theaterbrand bedeutete das Ende der Aufführungen seiner sehr erfolgreichen Oper „Undine“. Titelfigur war ausgerechnet eine Wasserfee.

Im Zweiten Weltkrieg wurden das Schauspielhaus und die anderen Bauten am Gendarmenmarkt schwer beschädigt. Erst 1976 begann der Wiederaufbau. Das Schauspielhaus wurde 1984 wiedereröffnet. Ha, ac

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