Berlin : Indien ist bald ganz nah

Die ITB wächst weiter und wird bunter. Eine Halle ist für den fernen Osten reserviert

Stefan Jacobs

Die bevorstehende Internationale Tourismusbörse wird größer und bunter, aber für private Besucher kürzer als bisher: Es gibt nur noch zwei Publikumstage auf der ITB, nämlich das Wochenende am 10. und 11. März. Nach Auskunft der Messe Berlin war es ein Wunsch vieler Aussteller, mehr Zeit für die Fachbesucher zu bekommen. Und in der Branche ist die weltgrößte Reisemesse gefragt wie nie, wie sich beim gestrigen Ausblick der Veranstalter auf die ITB zeigte.

Rund 11 000 Unternehmen aus 180 Ländern und Regionen werden unter dem Funkturm erwartet. Das wäre der nächste Rekord nach dem Vorjahr mit 10 856 Ausstellern und knapp 163 000 Besuchern, die Hälfte davon Privatleute. Die Besucherzahl will die Messe auch in diesem Jahr wieder erreichen – obwohl der „Happy Friday“ fürs Publikum entfällt.

Thematisch steht Indien als Partnerland im Mittelpunkt, was sich nicht nur in der fast komplett für das Land reservierten Halle 5.2 manifestiert, sondern auch an Verpflegungsständen, auf Showbühnen, bei Fotoausstellungen und Filmvorführungen. Schaden kann diese Bekanntschaft mit dem wirtschaftlich boomenden Riesenland sicher nicht. Die weit gereiste Reporterin Judith Adlhoch von Voxtours bekannte: „Indien zu verstehen, ist mir bis heute überhaupt nicht gelungen“, und Tourismusdirektor Giriraj Singh Kushwaha empfahl als Erfolgsrezept für Indienreisen: „Lächeln, freundlich grüßen – und alle Probleme werden gelöst sein“; so einfach sei das.

Wem eine Indienreise zu weit, zu teuer oder zu klimaschädlich ist, der kann sie auch beim Berliner Zoo buchen, der unter dem Motto „Asiatische Tiere im Großstadtdschungel“ vom 2. bis 18. März Sonderführungen zu Spezialitäten wie Hulman-Affen, Hinterindischen Tigern, Elefanten und Panzernashörnern anbietet (Infos und Reservierung telefonisch unter 25 401 400).

Überhaupt scheint sich die ITB zunehmend vom Appetitmacher zum Reiseersatz zu entwickeln. Das zeigt nicht nur der englische Slogan „The World’s Leading Travel Trade Show“, in dem das Wort „Fair“ für Messe durch Show ersetzt wurde. Es zeigt sich auch an der neuerdings per Helikopter möglichen Anreise ab Schönefeld für „deutlich unter 100 Euro“ sowie an Attraktionen wie dem Abenteuerparcours in Halle 4.1, auf dem Büffel gefangen und Zelte auf- und wieder abgebaut werden können. Nebenan sollen Windsurf-Simulator und Rentiere plus Lasso auf Wagemutige warten.

Wer doch noch richtig verreisen will, hat bei Verlosungen mit einem Gesamtwert von rund 50 000 Euro die Chance auf ein Schnäppchen, das ebenso gut eine Viertagestour nach Goa wie ein Wellnesswochenende in Belzig sein kann.

Die Wellnesswelle rollt nach Auskunft der Veranstalter ungebrochen weiter, und im neuen „Kultur-Palais“ sollen erstmals auch einige spezielle Kulturreiseangebote direkt auf der Messe gebucht werden können. Ansonsten bleibt die ITB vor allem ein Paradies für Katalogsammler, die sich informieren und anschließend zu Hause noch ein bisschen durch bunte Bilderwelten träumen wollen. Selbst das wird dank einer neuen ITB-Erfindung in diesem Jahr komfortabel wie nie: Von einer Paketstation in Halle 2.1 können die beim Rundgang gesammelten Prospekte für ein paar Euro nach Hause geschickt werden. Das spart viel Schlepperei und ist insofern fast genauso gut wie ein Wellnesswochenende.

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