Industrie in Brandenburg : Bahnwerk Eberswalde steht vor dem Aus

Das Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn in Eberswalde, einer der größten Industriebetriebe in Brandenburg, soll doch geschlossen werden. Bahnchef Grube lehnt einen Verkauf ab.

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Schwindende Hoffnung. Mitarbeiter bei einer Mahnwache vor dem Bahnwerk Eberswalde.
Schwindende Hoffnung. Mitarbeiter bei einer Mahnwache vor dem Bahnwerk Eberswalde.Foto: Bernd Settnik/dpa

Das Fahrzeuginstandhaltungswerk der Deutschen Bahn AG in Eberswalde, einer der größten Industriebetriebe in Nordbrandenburg, soll doch geschlossen werden. Bahnchef Rüdiger Grube hat jetzt erstmals öffentlich bestätigt, dass er keine Möglichkeit für einen Verkauf des Werkes an Investoren sieht. Darauf hatten die 360 Beschäftigten und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gedrängt, um den Traditionsstandort zu erhalten. „Alle Konzepte, die bisher auf dem Tisch liegen von den Investoren, sind weder konzeptionell noch wirtschaftlich tragfähig. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärte Grube am Montag dem Tagesspiegel. „Ich werde mich am 11. Dezember mit den Betriebsräten treffen, dann werden wir auch die Angebote einmal durchgehen, damit sie das auch nachvollziehen können.“  

Grube hatte versprochen, nach Alternativen zu suchen

Die Deutsche Bahn AG will das 130 Jahre alte Werk, in dem Güterwaggons repariert werden, also nicht verkaufen. Damit läuft alles auf eine Schließung hinaus. Die hatte der Bahnvorstand wegen der geringen Auslastung schon im Oktober 2014 beschlossen und angekündigt, dann aber noch einmal aufgeschoben. Nach Protesten von Belegschaft, Landesregierung und aus der Region hatte sich Grube bereit erklärt, Alternativen wie einen Verkauf zu prüfen. Tatsächlich gibt es inzwischen zwei von Brandenburgs Regierung unterstützte Interessenten, mit denen die Bahn auch verhandelte. Dass aus dem Verkauf wohl trotzdem nichts wird, wie Grube nun erstmals bestätigte, war vor einigen Tagen durchgesickert. Seitdem protestiert Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) scharf gegen die Pläne des Konzerns. Er will bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen die drohende Schließung durch das bundeseigene Unternehmen intervenieren. Das kündigte er am Mittwoch vor der Belegschaft in Eberswalde an. Woidke äußerte den Verdacht, dass die Bahn einen Verkauf allein deshalb verweigere, um Konkurrenz zu verhindern: „Wir dürfen nicht zulassen, dass aus Marktbereinigungsgründen Standorte geschlossen werden“, sagte Woidke. Er drohte auch rechtliche Schritte an, falls es doch zur Werkschließung kommt, die die größte der vergangenen Jahre in Brandenburg wäre.

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