Berlin : Industrie: Kein Geld für Tempelhof

BDI unterstützt Weiterbetrieb nur, wenn er ohne Subventionen möglich ist

Klaus Kurpjuweit

Der Flugbetrieb in Tempelhof soll nach Ansicht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) nur unter privater Regie weitergehen, wenn dafür keine Subventionen erforderlich sind. Meldungen, wonach sich BDI-Präsident Michael Rogowski uneingeschränkt für ein Offenhalten von Tempelhof eingesetzt habe, seien missverständlich gewesen, sagte jetzt der Leiter der Abteilung Verkehrspolitik beim BDI, Kay Lindemann. Rogowski hatte in einem Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit gefordert, die vorliegenden Angebote für die Erhaltung des Flugbetriebs in Tempelhof „offen und fair“ zu prüfen.

Ein Weiterbetrieb, wie ihn die Fluggesellschaften Germania, Cirrus Air und Windrose in eigener Regie anstreben, dürfe nicht „zu jedem Preis“ erfolgen, stellte Lindemann jetzt klar. Der Betrieb müsse kostendeckend erfolgen. Die drei Gesellschaften wollen nach ihrer Rechnung bereits im nächsten Jahr einen Gewinn in Höhe von 2,25 Millionen Euro einfliegen. Die staatliche Flughafengesellschaft machte bisher einen Verlust in Höhe von 15 Millionen Euro jährlich.

Rund 6 Millionen Euro des Defizits entfallen nach Angaben der Oberfinanzdirektion auf die Unterhaltung des riesigen Gebäudes. Die drei Bewerber wollen zunächst nur die für den Flugbetrieb unbedingt erforderlichen Bereiche pachten. Sie würden den Gesamtkomplex nach ihren Angaben notfalls aber auch selbst weiter bewirtschaften. Ein detailliertes Konzept für die Übernahme haben die Fluggesellschaften bisher nicht vorgelegt. Statt- dessen forderten sie ein Gespräch mit der Luftfahrtbehörde, in dem offene Fragen geklärt werden sollten.

Ein Gespräch reiche nicht aus, um einen Flughafen übernehmen zu können, sagte dazu die Sprecherin der Verkehrsverwaltung, Petra Rohland. Die Luftfahrtbehörde ist bei der Verkehrsverwaltung angesiedelt. Die Bewerber müssten unter anderem ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachprüfbar nachweisen. Nur so könne ausgeschlossen werden, dass am Ende doch die öffentliche Hand weiter für den Flugbetrieb zahlen müsse.

Dass sich die Diskussionen im Berliner Flugbetrieb auf Tempelhof konzentrieren, ist nach Lindemanns Ansicht schädlich für die Stadt. Alle Aufmerksamkeit müsse dem Ausbau Schönefelds zum Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) gelten. Der Planfeststellungsbeschluss für den Bau soll am 13. August verkündet werden.

Ein Defizit in Tempelhof gefährde jedoch die BBI-Planung, so Lindemann, weil das Finanzierungskonzept dann nicht aufgehe. Wenn kein kostendeckender Weiterbetrieb möglich sei, müsse Tempelhof ohne Wenn und Aber dicht- gemacht werden.

Dass damit ein Standortvorteil verloren ginge,weil auch Geschäftsleute mit ihren eigenen oder gemieteten Flugzeugen dann nach Tegel und Schönefeld ausweichen müssten, glaubt man beim Bundesverband der Deutschen Industrie nicht. Lindemann formuliert es drastisch: „Wenn das Argument der größeren Entfernung wirklich gelten sollte, müsste in München tote Hose sein.“ Dort aber blüht das Geschäftsleben, obwohl der innerstädtische Flughafen Riem geschlossen wurde und der Flughafen jetzt gut 40 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt.

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