Inklusionspreis 2014 : Wir brauchen alle

Zum zwölften Mal erhielten engagierte Betriebe am Freitag den Berliner Inklusionspreis.

Silke Zorn
Vorbild für andere. Vertreter der Preisträger mit Sozialsenator Mario Czaja und Lageso-Präsident Franz Allert bei der Verleihung im Wappensaal des Roten Rathauses. Foto: Davids/Sven Darmer
Vorbild für andere. Vertreter der Preisträger mit Sozialsenator Mario Czaja und Lageso-Präsident Franz Allert bei der Verleihung...Foto: Davids/Sven Darmer

„Wir brauchen alle.“ Mit diesem Motto leitete der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) Franz Allert die Verleihung des Berliner Inklusionspreises 2014 am vergangenen Freitag im Roten Rathaus ein. Bereits zum zwölften Mal wurden Unternehmen aus der Hauptstadt geehrt, die in vorbildlicher Weise Menschen mit Schwerbehinderung beschäftigen.

„Nur mit dem Wort ,gemeinsam’ bringt man zum Ausdruck, was Inklusion eigentlich bedeutet“, sagte Allert. In den preisgekrönten Betrieben gehe es genau um diese Gemeinsamkeit. „Sie erkennen die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung und unterstützen sie dabei, diese zum Einsatz zu bringen.“

29 Firmen hatten sich in diesem Jahr beworben. In der Kategorie „Kleinunternehmen“ siegte der Displayfolien-Hersteller Time Seven, bei den Mittelständlern die Gebäudereinigung Petersohn. Als Großunternehmen wurde die Gasag ausgezeichnet, einen Sonderpreis erhielt das Bundesarchiv. Alle Preisträger stellen wir in dieser Beilage vor.

Bloß keine Berührungsängste

„In der Vergangenheit hat man sich lange auf die Schwächen von Menschen mit Schwerbehinderung konzentriert – das ist heute zum Glück anders“, sagte der Berliner Sozialsenator Mario Czaja, der die Auszeichnungen übergab. Bei Besuchen in Betrieben sei es immer wieder schön zu erleben, dass oft gar nicht auffalle, wer ein Handicap habe und wer nicht. Ein für alle offener Arbeitsmarkt sei das Ziel, an dem weiter gearbeitet werden müsse – und die Forderung, die die von Deutschland unterzeichnete UN-Behindertenrechtskonvention stelle.

Gerade bei der Gewinnung von Fachkräften sei das Potenzial von Arbeitnehmern mit Handicap unverzichtbar, mahnte auch Florian Graf, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, in seiner Festrede. „Hier dürfen Unternehmen keine Berührungsängste haben.“

Diese Hemmschwelle zu überwinden, dazu trug im Rahmen der Preisverleihung das Musik-Kabarettduo „Plückhahn & Vogel“ bei – mit scharfzüngigen Liedern über kleine Schönheitsfehler, schwere Krankheiten („Ich hab’ ne Glatze“) und Ängste aller Art. Letztere sollten Betriebe – jedenfalls wenn es um die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung geht – besser über Bord werfen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar