Berlin : Inline-Skating: Auch die CDU erwägt, Rollschuhfahrer auf die Straße zu schicken

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Gestern rollten sie wieder: Einige tausend Inline-Skater bahnten sich während der "Blade Night" ihren Weg über die gesperrten Straßen der Innenstadt. Mit ihrem demonstrativen Konditionstraining in eigener Sache sind die Skater inzwischen zum Politikum geworden. Anfang Juli lud die Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen zu einer Anhörung. Parteichefin Renate Künast spricht sich für eine Änderung der Straßenverkehrsordnung aus, damit Skater künftig auch auf Fahrradwegen und Straßen in Tempo-30-Zonen rollen dürfen. Denn nach geltendem Recht dürfen sie - ebenso wie Mikro-Roller oder Skateboards - nur auf dem Gehweg fahren.

Schätzungsweise 12 Millionen Deutsche sind auf rollenden Sohlen unterwegs. Ein Potenzial, dem auch die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus nicht mehr ausweicht. Zum Thema "Inliner - völlig von der Rolle" lassen die Abgeordneten am morgigen Freitag in einer Anhörung Experten zu Wort kommen, um zu erfahren, ob und wie Inline-Skater in den Straßenverkehr integriert werden können. Geladen sind Fachleute des ADAC, des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs und Vertreter von Krankenkassen.

"Denkbar ist ein Pilotprojekt, in dem Tempo-30-Zonen oder Radwege für die Inline-Skater freigegeben werden", sagt Alexander Kaczmarek, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Die von den Mittwochsdemonstranten der "Blade Night" geforderte Freigabe der Busspuren hält Kaczmarek allerdings "nicht für sachdienlich". Dass die CDU-Fraktion mit ihrer Intiative für innovative Fortbewegung auch auf neue Wähler in der rollenden Spaßgesellschaft abziele, hält Kaczmarek nicht für nötig: "Bei den Jungwählern sind wir ohnehin führend."

Wenig Begeisterung für die Aussicht, die Straße künftig mit Skatern zu teilen, bringt die Innung des Berliner Taxigewerbes auf, dessen Vorsitzender Wolfgang Wruck ebenfalls zur CDU-Anhörung eingeladen wurde. Sein Stellvertreter, Bernd Döhrendahl, sieht in den Inline-Skatern eher ein Verkehrshindernis als eine Bereicherung urbaner Mobilität: "Berufsfahrer haben schon heute Probleme, auf den Straßen voranzukommen". Für Döhrendahl sind Skater "Fun-Sportler". Das sollen sie auch bleiben, aber abseits der Straßen. Wer die Skater am fließenden Verkehr teilnehmen lasse, könne sich auch weiteren alternativen Fortbewegungsmitteln nicht in den Weg stellen: "Als nächste wollen dann die Fahrer von Mikro-Rollern auf die Straße."

"Wichtiger als die Reglementierung ist uns die Sicherheit der Skater", erklärt dagegen AOK-Sprecherin Gabriele Rähse. Die AOK setze mit einer Broschüre auf vorbeugende Aufklärung von der richtigen Schutzbekleidung bis zum Verkehrstraining. Denn trotz der Unfallgefahren sehe man im "Trendsport Inline-Skating" eine vergleichsweise "Knochen schonende Sportart".

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