Berlin : Innensenator: Berlin ist gerüstet für Pocken-Angriff Land hat Impfstoff für

3,5 Millionen Menschen vorrätig

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Berlin ist auf einen Terrorangriff mit biologischen Waffen wie PockenViren vorbereitet, auch wenn dieser von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) als äußerst unwahrscheinlich eingestuft wird. Berlin habe 3,5 Millionen Einzeldosierungen des Pocken-Serums eingelagert, sagte der Innensenator im parlamentarischen Innenausschuss. Bundesweit seien sogar 100 Millionen Dosen vorrätig. Zudem ständen in Rudolf-Virchow-Krankenhaus kurzfristig 40 Betten für Notfälle bereit. Weiterhin sei in Absprache mit der Polizei die schnelle Unterbringung von rund 500 Kontaktpersonen geregelt. Für den „sehr unwahrscheinlichen Fall“ eines biologischen Anschlags in der Bundesrepublik bestünden zwischen den Länderinnenministern zudem Planungen, Erkrankte sehr schnell bundesweit auf verschiedene Krankenhäuser zu verteilen. Derzeit werde der Berliner Seuchenalarmplan überarbeitet. Einen Engpass, so sagte ergänzend Katastrophenschutzexperte Sigurd Peters, gebe es zur Zeit allenfalls beim Pflegepersonal. Allerdings würden hier intensive Schulungen stattfinden.

Sollten die gefährlichen Erreger in Berlin auftauchen, müssen binnen fünf Tagen 3,5 Millionen Menschen geimpft werden. „Dazu werden wir 135 Impfstellen einrichten, in denen jeweils 20 Ärzte täglich 5000 Menschen immunisieren“, sagt der Katastrophenschutzexperte. Man werde die Bevölkerung über Fernsehen und Radio auffordern, sich impfen zu lassen. Außerdem werden Quarantänestationen für tausende Pockenkranke geschaffen. Das gilt auch für diejenigen, die noch als Kleinkind gegen die Pocken geimpft wurden – sichtbar an den kleinen Narben am Oberarm. Denn dieser Impfschutz hält nicht ein Leben lang.

Die Immunisierung gegen den Virus ist der einzige Schutz, denn ist die Krankheit erst einmal ausgebrochen, gibt es keine Medikamente. „Die Forschung dafür wurde eingestellt, weil die Pocken seit 1980 als ausgerottet gelten“, sagt Peters. Die Todesrate ist hoch – rund 30 Prozent der Erkrankten sterben. Die Krankheit wird per Tröpfcheninfektion übertragen. Deshalb ist eine schnelle und flächendeckende Durchimpfung der Bevölkerung der einzige Schutz. Die Immunisierung ist vergleichsweise aufwändig. Dazu wird der Impfstoff auf einen sehr kleinen, zweizinkigen Stab aufgetragen, mit dem dann der Arzt etwa 15 mal die Haut anritzt.

In der Senatsverwaltung denke man aber nicht über Zwangsimpfungen nach, die rechtlich möglich wären. Eine vorbeugende Impfung aller Berliner schließt Sigurd Peters aus. Die Nebenwirkungen, zum Beispiel eine Hirnhautentzündung, seien zu gefährlich. Erst wenn Alarm ausgelöst werde, müsse man impfen. Die eingeplanten fünf Tage seien ausreichend, um einen flächendeckenden Schutz zu erreichen, auch wenn die Viren schon unterwegs sind.I.B./OD

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