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Innensenator warnt vor Terrorgefahr : Körting: Mehr als 20 Berliner Dschihadisten

Nach Erkenntnissen des Berliner Innensenators Ehrhart Körting haben mehr als 20 Islamisten aus der Stadt Reisen in den "Heiligen Krieg" unternommen oder sie zumindest geplant. Körting warnt vor einer wachsenden Terrorgefahr.

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Innensenator Körting warnt vor Terrorgefahr.
Innensenator Körting warnt vor Terrorgefahr.Foto: Thilo Rückeis

Es gehe um etwa "zwei Dutzend Dschihadisten aus Berlin", sagte Ehrhart Körting (SPD) im Interview des Tagesspiegels. Als Reiseziele der militanten Islamisten nannte der Senator Afghanistan, Pakistan sowie die Kaukasusregion, insbesondere Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien.

Einige wenige Dschihadisten seien inzwischen nach Berlin zurückgekehrt, sagte Körting. Bei diesen Männern habe es eine erstaunliche Entwicklung gegeben: "Sie sind desillusioniert". Die Dschihadisten hätten in der pakistanischen Grenzregion Wasiristan oder in Tschetschenien festgestellt, "dass es mit ihrem Menschenbild nicht zu vereinbaren ist, für Gott zu streiten und dafür Menschen zu töten". Diese Leuten wendeten sich vom Dschihadismus ab. "Dennoch müssen wir sie weiter im Auge behalten", betonte der Senator. 

Körting warnt vor einer wachsenden Terrorgefahr. Sie sei in den zehn Jahren seit 9/11 "für Berlin und Deutschland insgesamt größer geworden", sagte Körting. "Das zeigen auch die Ermittlungen gegen die zwei Männer, deren Wohnungen am Donnerstag von der Polizei in Neukölln und Kreuzberg durchsucht wurden", betonte der Senator. "Alles, was mit westlicher Lebensweise verbunden ist, halten Leute, die Religion für ihren Wahn missbrauchen, für ein Anschlagsziel." Die Gefahr gehe nicht nur von Al Qaida aus, "sondern auch von Leuten, die über das Internet Teile der Ideologie von Al Qaida verinnerlicht haben und auf eigene Faust zuschlagen wollen", sagte Körting.

In dem Interview warnt Körting zudem vor der Agitation des islamistischen Ex-Rappers Deso Dogg. Er halte den Berliner, der sich heute Abou Maleeq nennt und islamistische Kampflieder singt, "für gefährlicher als manchen Imam, weil er junge Leute auf einer emotionalen Ebene anspricht". Der Ex-Rapper verbreite bei seinen Auftritten, "die wahre Erfüllung im Leben eines Muslim sei der Märtyrertod". Das erinnere an rechtsextreme Liedtexte, "die Jugendliche so aufputschen, dass sie dann Ausländer schlagen", sagte der Senator. Die Texte des Ex-Rappers "bewegen sich hart an der Grenze zur strafbaren Gewaltverherrlichung, vielleicht auch darüber hinaus". 

Der Islamist glorifiziert in einem Kampflied Osama bin Laden, in einem weiteren propagiert er die Auswanderung zum Kampf und zum Märtyrertod in Afghanistan. Die Auftritte des Ex-Rappers vor meist jungen Muslimen werden in Videos über das Internet verbreitet. 

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