Berlin : Innovatives Berlin – in Europa vorn

Studie aus Baden-Württemberg gibt Hauptstadt gute Noten: Bei wissenschaftlichen Arbeitsplätzen und Patenten in der Spitzengruppe

Ulrich Zawatka-Gerlach

In mehreren Studien zur Wirtschaftslage schnitt Berlin zuletzt schlecht ab, jetzt aber gibt es eine gute Nachricht: Auf der Liste der innovativsten Länder und Regionen Europas steht Berlin auf dem zweiten Platz. Knapp hinter Baden-Württemberg. Aber vor der Region Paris, vor Bayern und Hessen. Selbst die Länder Schweden und Finnland sind bei den Innovationen nicht so dynamisch wie Berlin, ermittelte eine Studie des Statistischen Landesamts in Stuttgart. „Zum Beispiel hat sich der Anteil der Menschen, die in Berliner Unternehmen forschen und neue Produkte entwickeln, seit 1995 um 40 Prozent erhöht“, sagt Thomas Weinmann, der den „Innovationsindex“ errechnet hat. Da könne nicht einmal Baden-Württemberg mithalten, fügt er hinzu.

In der Studie, die im Oktober veröffentlicht wird, wurden 73 Regionen in allen 25 EU-Staaten miteinander verglichen. Messlatte für die Innovationskraft waren die Forschungsausgaben, aber auch die Zahl der Menschen, die im wissenschaftlich-technischen Sektor arbeiten und die angemeldeten Patente. In fast allen Bereichen lag Berlin im vorderen Feld. So geben nur schwedische Unternehmen, gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes, mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus als die deutsche Hauptstadt. In Berlin sind es 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. In der EU liegt die Quote bei durchschnittlich 1,9 Prozent.

Beim Vergleich der Mitarbeiterzahlen in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der privaten Wirtschaft liegt Berlin europaweit auf dem vierten Platz. Nur in den großen Hochtechnologiebranchen (Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro- und Nachrichtentechnik) rutscht die Hauptstadt, was das Personal angeht, ins Mittelfeld ab. Berlin ist nun mal keine Industrieregion mehr. Aber die wissenschaftsintensiven Dienstleistungen (Forschungsinstitute, Gesundheits- und Kommunikationswesen, Marktforschung) beschäftigen so viele Menschen, dass Berlin europaweit auf Platz 5 liegt.

Das Statistische Landesamt in Stuttgart hat in seine Berechnung des „Innovationsindex’“ auch eine EU-weite Umfrage eingebunden. Danach liegt der Anteil der Menschen, die im weitesten Sinn in wissenschaftlich-technischen Berufen arbeiten, in Berlin bei 47 Prozent aller Erwerbstätigen. In Deutschland sind es durchschnittlich 36,5 Prozent, in der Europäischen Union nur 31 Prozent. Bei diesem Indikator reicht es für die Hauptstadt sogar für den ersten Platz. Noch ein letzter Vergleich: Aus Berlin werden beim EU-Patentamt jedes Jahr 199 Patente je Million Einwohner angemeldet. EU-weit sind es 134. Baden-Württemberg liegt mit 597 Patenten weit vorn. Noch wichtiger als diese aktuellen Daten ist die dynamische Entwicklung seit 1995: Nur unterentwickelte Regionen, etwa in Spanien oder Polen, erreichen bessere Quoten, weil sie von einem deutlich geringeren Ausgangsniveau gestartet sind.

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