Ins Gebüsch geschlagen : Mehr Durchblick am Schlesischen Tor

Bis vor kurzem begegneten sich die Gegensätze der Stadt auf einem schmalen Grünstreifen vor dem Schlesischen Tor in Kreuzberg.

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Vorher und nachher: Bis vor kurzem schliefen auch Obdachlose auf der kleinen Grünfläche vor dem Schlesischen Tor. Doch inzwischen hat der Bezirk den winzigen Wald um die Kastanie gerodet.
Vorher und nachher: Bis vor kurzem schliefen auch Obdachlose auf der kleinen Grünfläche vor dem Schlesischen Tor. Doch inzwischen...

Morgens trinken die Feiernden des Wrangelkiezes ihr Bier auf einem schmalen Grünstreifen vor dem Schlesischen Tor. Einheimische Partygänger und Touristen sitzen träge mit einem Döner auf einem nackten Paar aus Bronze, das hier den Start eines Skulpturenwegs kenntlich machen soll. Die fröhlichen Leute steigen bald gegenüber in die U-Bahn - Obdachlose hingegen nutzten den von Lärm umgebenen Streifen zwischen Schlesischer Straße und Oberbaumstraße als Unterschlupf für eine ganze Nacht. Den Einkaufswagen parkten sie unter einer Kastanie, wo auch schon mal das Feldbett aufgeschlagen oder auf zerrissenen Pappen direkt auf dem Boden genächtigt wurde.

Toilette wurde missbraucht

Doch nun ist es kahler geworden, noch bevor der Herbst den Bäumen das Grün genommen hat. Ebereschen, Sträucher und Büsche fehlen, die sich zu einem Wäldchen um die Kastanie gefügt hatten. Dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg war die uneinsichtige Zone nicht recht, weil sie auch als Toilette missbraucht wurde. Wer jetzt dort sein Nachtlager aufschlägt, wird von allen Seiten gesehen. Ganz in der Nähe ist vor einem Jahr mit der Cuvrybrache ein weiterer Ort verschwunden, auf dem wild campiert wurde.

Was übrig bleibt von einer Nacht in Kreuzberg. Diese Skulptur markiert den Start eines Skulpturenwegs, der durch die kleine Grünfläche führt.
Was übrig bleibt von einer Nacht in Kreuzberg. Diese Skulptur markiert den Start eines Skulpturenwegs, der durch die kleine...Foto: Henning Onken

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