Berlin : Ins Revier der Seeadler eintauchen

Auf den neu gestarteten Kanutouren im Nationalpark Unteres Odertal kommt man seltenen Tieren nah.

von
Seltene Gäste. Menschen dürfen nur zwischen Juli und November in die Schutzzonen, am besten unter fachkundiger Führung. Foto: Claus-Dieter Steyer
Seltene Gäste. Menschen dürfen nur zwischen Juli und November in die Schutzzonen, am besten unter fachkundiger Führung....

Schwedt – Der junge Seeadler kennt offenbar keine Scheu vor Menschen. Neugierig betrachtet er die näher kommenden Kanus, dreht seinen Kopf zur Seite, schlägt ab und zu mit seinen Flügeln, aber rührt sich nicht von der Stelle. Erst als die Entfernung zu den aufgeregt Ferngläser und Fotoapparate zückenden Touristen auf weniger als drei Bootslängen zusammenschmilzt, nimmt der Vogel Reißaus. Er dreht einige Runden über den Köpfen der Kanufahrer und verschwindet dann. Für die Teilnehmer der ersten Fahrt zum Auftakt der Kanusaison im Nationalpark Unteres Odertal hat sich am gestrigen Dienstag der Ausflug ins rund 100 Kilometer von Berlin entfernte Schwedt gelohnt. Schließlich haben sie auf ihrer gut fünfstündigen Tour viele seltene Tierarten und eine in vielen Farben blühende Pflanzenwelt erlebt.

„Gerade für die Vögel sind Begegnungen mit Menschen in dieser Region zu dieser Zeit noch ungewohnt“, erklärt Michael Tautenhahn, stellvertretender Chef der Nationalparkverwaltung, die Zutraulichkeit. „Seit dem vergangenen November sind wir die ersten Zweibeiner hier.“ Im Winter seien Kanufahrten wegen des Hochwassers, das hier das ganze drei Kilometer breite und unbewohnte Odertal bis zu einer Höhe von zwei bis drei Metern flute, nicht möglich. Mit dem Frühling genieße dann die Brut der Wasservögel strengen Schutz. „Erst nach deren Abschluss können wir im Juli zwei ausgesuchte Strecken für die Kanutouristen anbieten“, sagt der Nationalpark-Fachmann. Diese finden nach Anmeldung und unter Leitung von geschulten Naturführern bis zum 14. November statt.

Ohne einen erfahrenen Kapitän wäre so ein Ausflug über sieben oder elf Kilometer kaum möglich. Die vielen Flussarme der Oder sind teilweise zugewachsen, so dass der Laie die Eingänge und den Kurs gar nicht erkennen kann. Außerdem bliebe so manches Tier unentdeckt oder unerkannt. „Krecks“, „krecks“, ruft beispielsweise der Wachtelkönig, während sich Silber- und Graureiher und Kraniche nicht rühren und auf die neugierigen Gäste gelassen reagieren. Biber und Fischotter lassen sich zwar bei der ersten Tour der Saison nicht blicken, aber ihre Spuren am Ufer sind nicht zu übersehen.

Falls sich unterwegs der Hunger meldet, bleibt nur der Griff zu dem im Rucksack verstauten Proviant. „Wir bewegen uns schließlich im Nationalpark, wo es keinen Imbiss oder sonstige Verpflegungsstellen gibt“, sagt die Chefin des Tourismusvereins Unteres Odertal in Schwedt, Susanne Pätzold. Bei ihr laufen alle Anmeldungen zusammen. Auch kurzfristige Buchungen für dieses vor einigen Jahren noch undenkbare Angebot sind möglich. Naturschützer hatten lange Zeit jeden Zugang zu den Schutzzonen untersagt. Claus-Dieter Steyer

Tourismusverein: Tel. 03332 / 25 590, www.unteres-odertal.de. Die elf Kilometer lange Strecke von Schwedt kostet 30 Euro für Erwachsene, Kinder 12,50 Euro. Die Sieben/Acht-Kilometer-Tour vom südlich gelegenen Stolpe 25 Euro, Kinder die Hälfte

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar