Berlin : Insolvenz am Checkpoint Charlie

Sanierungskonzept für Philip-Johnson-Haus gescheitert: 1900 Anleger betroffen

Tina Manske

Die Schwierigkeiten im Immobilienmarkt haben ein prominentes Berliner Projekt in Schieflage gebracht: Die Fondsgesellschaft des Philip-Johnson-Hauses am Checkpoint Charlie hat beim Amtsgericht Mitte Insolvenz beantragt. Das bestätigte Gerichtssprecherin Katrin-Elena Schönberg auf Anfrage des Tagesspiegels.

Das Gebäude auf dem ehemaligen Mauerstreifen war 1997 errichtet worden. Es war als „American Business Center“ bekannt geworden. Prominente Mieter sind die Botschaften Irlands und Singapurs. Eigentümer des Gebäudes ist ein Fonds der IC Immobiliengruppe in Unterschleißheim bei München. Aus den veröffentlichten Unterlagen der Fondsgesellschaft geht hervor, um welche Beträge es sich bei dem Projekt handelt: Insgesamt wurden 150 Millionen Euro investiert. Davon haben die Fonds-Anleger knapp 100 Millionen aufgebracht. Der Rest wurde fremdfinanziert.

Nach Angaben des Anwalts der Fondsgesellschaft, Ulrich Schellenberg, sind 1900 Anleger betroffen. Der Insolvenzantrag sei notwendig geworden, weil einer der Gläubiger Gespräche über eine Sanierung der Gesellschaft nicht weiterführen möchte. „Wir haben in den letzten Jahren unter dem insgesamt schwierigen Immobilienmarkt gelitten, wie andere auch“, so Schellenberg. Das Gebäude hat insgesamt 20 000 Quadratmeter Bürofläche, von denen bisher nur ein Teil vermietet ist. Schellenberg nannte das Kreditvolumen von 50 Millionen Euro „sehr hoch“. Die Erlöse aus den Mieteinnahmen seien bisher zu niedrig.

Allerdings gebe es seit einiger Zeit Besserung. Er sei darum zuversichtlich, dass die endgültige Insolvenz vermieden werden könne, sagte Schellenberg. Mit dem Vermietungsstand sei es möglich, profitabel zu wirtschaften. Bis zur Eröffnung des gerichtlichen Insolvenzverfahrens werde weiter verhandelt, darunter mit mehreren Banken. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Berliner Rechtsanwalt Udo Feser.

Das Gebäude mit der Postanschrift Friedrichstraße 200 war ursprünglich von dem amerikanischen Milliardär Ronald S. Lauder und dem Estée-Lauder-Konzern als „American Business Center“ geplant gewesen. Lauder hatte seinerzeit angekündigt, mehr als 400 Millionen Euro zu investieren. Als sich zeigte, dass die Träume der Investoren nach der Wende zu optimistisch waren, zog er sich aus dem Projekt zurück.

Das Philip-Johnson-Haus gilt als eines der Vorzeigeprojekte der Berliner Nachwende-Architektur. Errichtet hat es der amerikanische Star-Architekt Philip Johnson, ein Schüler Mies van der Rohes und später ein Verfechter der Postmoderne.

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