Insolvenz von „Hardenberg Consultum“ : Auf spiegelglattem Parkett

Auf den Hauptstadtempfängen ist Isa Gräfin von Hardenberg Thema. Sie hatte sich aus ihrer Firma zurückgezogen, nun ging der einstige Partner in die Insolvenz.

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Die Party ist vorbei. Hans-Erich Bilges und Isa Gräfin von Hardenberg feierten vor zwei Jahren noch das 25-jährige Bestehen von Hardenberg Concept. Danach ging es bergab.
Die Party ist vorbei. Hans-Erich Bilges und Isa Gräfin von Hardenberg feierten vor zwei Jahren noch das 25-jährige Bestehen von...Foto: imago/Future Image

Die Insolvenz von „Hardenberg Consultum“ ist derzeit Tagesgespräch auf den Empfängen der Berliner Gesellschaft. Als die Fusion des Event-Unternehmens Hardenberg Concept mit der Beratungsfirma Consultum vor zwei Jahren bekannt gegeben wurde, empfingen Isa Gräfin von Hardenberg und Hans-Erich Bilges zum gemeinsamen Interview in den neuen Büros in der Alten Jakobstraße in Mitte.

Schon damals war abzusehen, dass etwas schief lief, denn die beiden redeten offensichtlich von ganz verschiedenen Konzepten. Auf die leicht perplexe Frage, wer denn nun eigentlich die Macht habe im Unternehmen, antwortete Hans-Erich Bilges wie aus der Pistole geschossen: „Ich!“. Darauf Gräfin Hardenberg leicht empört: „So war das aber nicht vereinbart!“

Gefeiert wurde dann trotz der Meinungsverschiedenheit aus Anlass des 25-jährigen Bestehens von Hardenberg Concept „eine Fusion auf Augenhöhe“ mit Gästen, die auf glamourösen Hardenberg-Festen oft zu sehen waren, Jette Joop zum Beispiel und Friede Springer. Schon bald nach dem Fest kündigte praktisch die gesamte Führungsriege von Hardenberg Concept. Die Ausnahme befand sich gerade im Mutterschutz.

Komplizierte politische Diskussionsveranstaltungen

Der Leidensdruck muss so groß gewesen sein, dass sich die Mitarbeiterinnen nicht mal die Zeit nahmen, erst nach neuen Jobs Ausschau zu halten. Einladungen zu harmlosen Modepartys und Lifestyle-Events trugen plötzlich seltsam wichtigtuerische Vermerke wie „persönlich und vertraulich“. Dann blieben sie ganz aus. Stattdessen organisierte das Unternehmen komplizierte politische Diskussionsveranstaltungen. Manchmal war zu hören, der neue Chef im Unternehmen hasse die Lifestyle-Branche, verachte sie als oberflächlich. Warum er sich dann ausgerechnet ein Unternehmen gekauft hat, das wie kein anderes für elegante Hauptstadtfeste stand, blieb vielen ein Rätsel. Einen Teil des klassischen Hardenberg-Geschäfts übernahm ein junger Newcomer namens Eike Knueppel, der eine langjährige führende Mitarbeiterin von Hardenberg Concept angeheuert hatte.

Es gab reichlich Indizien dafür, dass bei der Klärung der Machtfrage hinter den Kulissen von „Hardenberg Consultum“ sämtliche Tischtücher zerschnitten wurden. Isa von Hardenberg zog sich 2015 endgültig zurück aus dem Unternehmen. Etwa 90 Prozent ihrer Anteile hatte sie schon lange vorher verkauft, hatte 2008 auch die Geschäftsführung niedergelegt, war aber in ihrer Funktion als Beirat immer Aushängeschild und Ansprechpartnerin geblieben. Mit den leitenden Mitarbeiterinnen pflegte sie einen geradezu herzlichen Zusammenhalt. Im Grunde genommen konnte das Unternehmen ohne sie nicht funktionieren, weil sie immer Dreh- und Angelpunkt war. Bilges, der nicht nur für seine rauen Umgangsformen bekannt ist, sondern auch für ein starkes Ego, mangelte es wohl an Demut, um das zu erkennen.

Neue Ufer

Isa von Hardenberg war unterdessen längst aufgebrochen zu neuen Ufern. Schon im Laufe des vergangenen Jahres erzählte sie bei Veranstaltung manchmal von „Hardenberg Communications“, ihrem neuen Unternehmen, das exklusive Networking-Kurse und Empfänge für europäische Führungskräfte organisiert.

Zur aktuellen Insolvenz ihres fusionierten früheren Unternehmens wollte sie sich zwar nicht äußern, da sie da ja ganz raus sei. Am Rande einer Veranstaltung sagte sie aber, der Niedergang mache sie sehr traurig: „Ich werde mich bemühen, meine ehemaligen Mitarbeiter zu unterstützen, wo ich nur kann.“

Dass ihr Name in die Insolvenz hineingezogen wird, muss sie gleichwohl schmerzen. Anfeindungen hatte die erfolgreiche Event-Unternehmerin auch früher schon erlebt. Mal schäumte ein Mitbewerber, dass sie als Gast bei seiner Veranstaltung das Essen schlecht geredet habe, um den Auftrag für sich an Land zu ziehen, mal beklagten sich die Hostessen aus gutem Hause über zu niedrige Honorare.

Viele Mitarbeiterinnen der ersten Stunden machten sich später mit eigenen Agenturen selbständig und wurden Konkurrentinnen mit allem, was dazugehört in dieser harten Branche. Peanuts gegenüber dem, was der einstige Partner ihr antat. Seine erste Aussage, dass die Insolvenz aufgrund von Altlasten aus der Eventbranche erfolgt sei, hat Bilges freilich rasch modifiziert. Diese Altlasten seien erst angefallen, nachdem Isa von Hardenberg 2008 die Geschäftsführung abgegeben habe.

Sie habe sich „außerordentlich verdient um das Event-Geschäft gemacht“, schob er, nun wieder artig, nach. Schließlich galt sie lange als die einflussreichste Gastgeberin der Stadt. Ihre glanzvollen Feste waren auch deswegen so beliebt, weil sie selbst von schwerer Eitelkeit geplagte Dax-Vorstände so im Griff hatte, dass den Gästen lange Reden in aller Regel erspart blieben. Der gekonnte Umgang mit großen Egos machte einen Teil des Geschäftserfolges aus.

Die Partner waren genervt

Insider erinnern sich noch, wie sie die Agentur an einen Unternehmer verkauft hat und anschließend günstig zurückerwarb, weil es ohne sie schlicht nicht funktionierte. Dass Bilges daraus nicht beizeiten gelernt hat, stieß in der Event-Branche auf großes Unverständnis. Der einstige Bild-Chefredakteur hatte 1998 mit Roland Berger und Hans-Dietrich Genscher, die WMP gegründet, ein Beratungsunternehmen, auf das es rund um die Jahrtausendwende auch schon mal kritische Schlagzeilen wegen Interessenkonflikten und -kollisionen hagelte. Hinter den Kulissen war von Borderline-Aktivitäten zu hören. Die Partner waren genervt.

2006 machte sich Bilges mit „Consultum“ selbständig. Vor allem seine PR-Aktivitäten für Aserbaidschan wurden vielfach kritisiert. Die hat er aber nach eigenen Angaben vor anderthalb Jahren eingestellt. Bilges hofft nun, bereits im Juli mit der Insolvenz durch zu sein und dann neu durchstarten zu können. Als geschäftsführender Gesellschafter hält er 35 Prozent an dem Unternehmen, die restlichen 65 Prozent gehören der Investorengruppe OM-Holding. Künftig will der 71-Jährige sich auf die Beratung von Dax-Vorständen konzentrieren. Früher erwartete Synergien hätten sich nicht realisieren lassen können. Mit Modepartys will er sich nicht mehr aufhalten: „Ich will ja Geld verdienen, nicht Geld verbrennen.“

Richtig betrieben können die klassischen Hardenberg-Events so ganz uneinträglich freilich nicht gewesen sein, sonst hätte es über die Jahre kaum die Investitionen und Hin- und Herkäufe gegeben. Vielleicht können die einstigen leitenden Mitarbeiterinnen mit ihren einschlägigen Erfahrungen den Glamour-Spirit wiederbeleben, ein eigenes Unternehmen gründen und zeigen, wie gut es laufen kann, wenn die Macht in den richtigen Händen liegt.

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