Berlin : Inszenierung für den guten Zweck

Vattenfall lud zur „Manon“-Vorpremiere

Elisabeth Binder

So wünscht man sich Gastgeber. „Zwischen Ihnen und einem schönen Opernabend stehe jetzt nur noch ich“, sagte Vattenfall-Chef Klaus Rauscher, der Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Kultur zur Vorpremiere von „Manon“ in die Staatsoper geladen hatte. Dann zog er die Scheckübergabe für den guten Zweck des Abends in beispielhaftem Blitztempo durch, um die Bühne freizumachen für die Stars des Abends – Anna Netrebko, Rolando Villazón und Daniel Barenboim.

Schon zum vierten Mal verwandelte Vattenfall die Vorpremiere einer herausragenden Inszenierung in ein gesellschaftliches Ereignis. Die Rolle, die Opernpremieren lange Zeit hatten, ist im Zeitalter der Galas und Charitys ja längst nicht mehr konkurrenzlos. Aber Berlin hat mehr als genug Prominente und sonstige Meinungsführer, um eine Inszenierung, die sowieso Stadtgespräch ist, auch zweimal hintereinander zu würdigen. Und anders als bei der morgigen Premiere ging es um einen guten Zweck im Sinne der Oper. Die 50 000 Euro, die Rauscher dem Staatsopern-Intendanten Peter Mussbach überreichte, waren bestimmt für das Projekt „Staatsoper zum Kinopreis“, mit dem Menschen unter 30 an die Oper herangeführt werden sollen, indem sie Karten für sieben Euro kaufen können. Für den guten Zweck traten auch die Künstler ohne Gage auf, hatte man den geladenen Gästen das Spendenkontos auf der Einladung mitgeteilt.

Wer diesen Abend erlebte, wie zum Beispiel Martina Gedeck, Anna-Maria Kaufmann, Peter Raue, Brigitte Zypries, und Klaus Bresser brauchte nicht allzu viel zusätzliche Motivation. Denn viele Gäste waren stolz darauf, dieses Opernereignis schon vor allen anderen erleben zu dürfen. Als Anna Netrebko als Manon aschgrau den Bühnentod starb und Rolando Villazón sie in den Sonnenuntergang hineintrug, mischte sich zwar auch mal unterdrücktes Lachen unter Rührungsseufzen. Aber die Begeisterung über die Stimmen der beiden Stars, über Barenboims Dirigat war einhellig. In den Pausen erwähnten die Repräsentanten aus dem Bereich Kultur zwar immer mal, dass das Libretto auch seine bruchstückhaften Seiten habe und die Inszenierung vielleicht zu wenig Bruchstückhaftes – aber das Lob überwog. Die kulturell engagierte Anna Maria Erlen brachte es am Ende auf den Punkt: „Es war einfach nur schön.“

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