Integration : Hauptstadtpreis: Neuköllner Vorleser gesucht

Mit dem „Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz“ will die IHB auch in diesem Jahr Vereine, Unternehmen und Einzelpersonen fördern, die sich für ein friedliches Miteinander aller Berliner einsetzen. Der Tagesspiegel sucht noch Kandidaten für 2009.

Annette Leyssner
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Dolmetscher zwischen den Kulturen. Der Psychologe Kazim Erdogan rief die Neuköllner Lesewoche ins Leben – und erhielt dafür den...

„100 Menschen, die im Park nacheinander in ihrer Muttersprache vorlesen – da kriege ich immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Kazim Erdogan. Seit Jahren arbeitet der Neuköllner Psychologe und Preisträger des „Hauptstadtpreises für Toleranz und Integration“ des Jahres 2007 unermüdlich an sozialen Projekten in seinem Heimatbezirk.

Zwei Wochen lang konnte er dieses Jahr seine Begeisterung für Bücher während der „Wochen der Sprache und des Lesens“ mit anderen Menschen seines Bezirkes teilen. Bei fast 300 Lesungen und Theateraufführungen in ungewöhnlichen Orten, zum Beispiel in Arztpraxen und auf Wochenmärkten, wurde die Freude an der Sprache vermittelt. Möglich wurde dies auch durch das Preisgeld in Höhe von 7500 Euro, das Erdogans „Initiative für ein noch besseres Neukölln“ von der Initiative Hauptstadt Berlin (IHB) erhalten hat. Damit konnten Aufwandsentschädigungen für Autoren gezahlt und Programmhefte gedruckt werden.

„Mehr als 100 Nationalitäten leben hier im Bezirk. Diese Verschiedenheit ist unser Reichtum“, sagt Erdogan. Nachbarschaft alleine schaffe allerdings noch keine Integration. Im Rahmen der ausgezeichneten Bürgerinitiative wird daher nicht nur die Sprachwoche organisiert. Zusätzlich beraten türkische, arabische und deutsche Akademiker das ganze Jahr über ehrenamtlich sozialschwache Bürger in verschiedenen Bereichen. „Man soll nicht über das reden, was Deutsche und Zugewanderte trennt, sondern über das, was sie verbindet“, sagt Erdogan. Über das Anknüpfen an Gemeinsamkeiten, wie Freude an der Sprache, könne man Vorurteile abbauen. 90 Prozent der Probleme zwischen Menschen verschiedener Kulturen seien das Ergebnis von Sprachbarrieren oder mangelnder Kommunikation, vermutet der Psychologe. Und darum bereitet Erdogan bereits die nächste Lesewoche 2010 vor. Dank der Aufmerksamkeit, die seinem preisgekrönten Projekt zuteil wurde, habe er es leichter gehabt, Sponsorengelder einzuwerben. „Die Sprachwoche ist eine richtige Marke geworden“, sagt er, „sie wertet das Image des Bezirkes auf.“

Mit dem „Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz“ will die IHB auch in diesem Jahr Vereine, Unternehmen und Einzelpersonen fördern, die sich für ein friedliches Miteinander aller Berliner einsetzen. Schirmherrin ist die Bundesbeauftragte für Integration, Maria Böhmer. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis wird am 10. November auf einer Gala im Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz verliehen. Annette Leyssner

Der Tagesspiegel ruft dazu auf, Projekte für den Hauptstadtpreis vorzuschlagen. Bis zum 26. Oktober werden Nominierungen unter der E-Mail-Adresse service@initiative-hauptstadt.de entgegengenommen. In der E-Mail müssen die Kontaktdaten des Projektverantwortlichen angegeben werden, die IHB setzt sich dann mit dem Kandidaten in Verbindung. Unter den Lesern, die Vorschläge einreichen, verlost die IHB Karten für die Preisverleihung.

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