Integration : Thierse für Fremdsprachenverbot auf dem Schulhof

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat sich für Deutsch als Pflichtsprache auf Schulhöfen ausgesprochen. Er begrüßte das Fremdsprachenverbot auf dem Schulhof einer Berliner Realschule.

Berlin - Mit Blick auf den Vorstoß der Weddinger Herbert-Hoover Realschule, in der nur noch Deutsch gesprochen werden darf, sagte Thierse den «Stuttgarter Nachrichten», «es ist sinnvoll, diese Maßnahme auszudehnen um zu zeigen, dass wir unser Bemühen um Integration ernster nehmen.»

In der von vielen Migrantenkindern besuchten Schule im Berliner Stadtteil Wedding war eine Hausordnung erlassen worden, wonach auf dem gesamten Schulgelände ausnahmslos Deutsch gesprochen werden soll. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) sowie die Grünen und die Linkspartei kritisierten die Verordnung.

«Integration lässt sich nicht mit Pausenreglementierungen erzwingen», sagte die Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, den «Stuttgarter Nachrichten». TBB-Sprecher Eren Ünsal sagte der dpa, «niemand, auch der Schulsenator oder ein Schulleiter, darf eine Sprache verbieten.» Der migrationspolitische Sprecher der Berliner Linkspartei, Giyasettin Sayan, sprach von einer hilflosen Geste der Schulleitung, die zur Lösung von Integrationsproblemen nichts beitrage.

Ünsal bezweifelte den pädagogischen Sinn der Verfügung. «Uns ist sicherlich bewusst, dass das Erlernen und Praktizieren der deutschen Sprache sehr wichtig ist, aber mit Verboten wird man das Gegenteil erreichen.» Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen werde dadurch nicht gefördert.

Der Leiter des Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, begrüßte hingegen Deutsch als Pflichtsprache: «Wer in Deutschland Karriere machen will, soll in der Schule ausschließlich Deutsch sprechen», sagte er den «Stuttgarter Nachrichten». Das sei keine diskriminierende Maßnahme anders als der Einbürgerungstest für Muslime, der eine «Islamphobie» schüre.

Auch beim Deutschen Lehrerverband (DL) fand die Hausordnung Zustimmung. «Grundsätzlich halte ich das für eine vernünftige und sinnvolle Maßnahme, weil es der Integration von Migrantenkindern dient», sagte DL-Vorsitzender Josef Kraus der Netzeitung (Montag). Die Deutsch-Pflicht könne auch helfen, die Entstehung von Parallelgesellschaften zu verhindern. Kraus plädierte aus juristischen Gründen dafür, die Deutschpflicht von der Zustimmung der Eltern abhängig zu machen. Nur auf die Eigenverantwortlichkeit der Schulleitung zu setzen, wie dies der Berliner Senat tue, reiche nicht aus. «Natürlich wird der Senat bei einer juristischen Auseinandersetzung auf die Nase fallen», sagte Kraus. (tso/dpa)

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