Berlin : Integration türkischer Schulkinder: "Bildungsbewusstsein" steht im Visier

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Längst ist klar, dass ohne die Mitarbeit der Eltern die Integration der knapp 27 000 türkischen Schulkinder nicht gelingen kann. Jetzt erhalten die Familien einen eindringlichen Brief, der sie auf ihre Verantwortung hinweisen soll und dazu eine Kontakt-Telefonnummer und wichtige Adressen enthält. Das Schreiben, das in den nächsten zwei Wochen verschickt werden soll, wird unterzeichnet vom Schulsenator, dem türkischen Generalkonsul sowie den Vorsitzenden von Türkischem Elternverein und Türkischem Bund Berlin-Brandenburg.

Da man die Eltern auch dazu bewegen will, ihre Kinder zwecks Integration und Spracherlernung in Kitas und Vorklassen unterzubringen, würden möglicherweise auch die Familien der rund 11 600 Kinder im Kita-Alter benachrichtigt, so ein Sprecher von Schulsenator Klaus Böger (SPD) gestern auf Anfrage. Im Übrigen gehe es darum, ihr "Bildungsbewusstsein" zu stärken und sie auf Fortbildungskurse für Eltern oder zweisprachige Klassen hinzuweisen.

Der Brief fügt sich ein in die "Bildungsoffensive für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache", die Böger kürzlich mit Blick auf deren horrenden Anteil an der Schulabbrecherquote startete. Insbesondere die anhaltend schlechten Ergebnise unter türkischen Kindern, die, obwohl hier geboren, kaum Deutsch sprechen, alarmiert ihn und die Verbände.

"Diesen Brief zu schreiben, war ein Vorschlag des Türkischen Bundes", betont dessen Vorsitzender Safter Cinar, der aber noch keine Einzelheiten nennen will. Eine weitere Idee bringt jetzt Kazim Aydin, der Vorsitzende des Türkischen Elternvereins, ein. Er möchte bei den Elternabenden in den Schulen ansetzen, die von türkischen Eltern kaum besucht werden. Damit sich dies ändert, sollen die Veranstaltungen zusätzlich auf Türkisch stattfinden. Alternativ soll es auch einen Begleitservice deutschsprachiger türkischer Studenten für türkische Eltern geben. Auf "120 000 bis 150 000 Mark im Jahr" schätzt Aydin die Honorarkosten. Beantragt ist allerdings noch nichts.

Zurzeit verlässt rund jeder vierte Schüler nichtdeutscher Herkunft, darunter die Mehrzahl Türken, die Schule ohne Abschluss. Das Abitur schaffen nur rund acht Prozent von ihnen. Bei den deutschen Schülern ist das Zahlenverhältnis umgekehrt.

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