Berlin : Intendantin Kirsten Harms

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Eine eindrucksvolle Inszenierung: Die stets weiß gewandete, blonde, grazile, selbstsichere Frau in ihrem großen, fast leeren Arbeitszimmer, karmesinrote Wände, eine kleine schwarze Mart Stam Sitzgruppe, und weit hinten unter einer raumhohen Stehlampe der mächtige „IntendantenSchreibtisch“ der Deutschen Oper Berlin, an dem schon die berühmten Vorgänger gesessen haben: Ebert, Sellner, Palm, Friedrich oder Zimmermann. Seit vergangenem Jahr sitzt dort nun Kirsten Harms.

Eine herausfordernde Aufgabe für die Frau aus Hamburg, die mich – Verzeihung! – einfach immer an einen Weihnachtsengel in den Krippenspielen von früher erinnert. Aber der Engel bringt „frohe Kunde“ zur Zukunft des größten Berliner Opernhauses und beste Voraussetzungen dafür mit, aus den Wünschen Wirklichkeit werden zu lassen. Das Anführen sei ihr „irgendwie in die Wiege gelegt“, sagt Kirsten Harms.

Aufgewachsen ist sie im wohlhabenden Hamburger Wohldorf, der große Garten an einem kleinen Fluss, der Vater Kaufmann, die Mutter Sängerin, die Großmutter eine bekannte Puppenbildnerin. Nur selbst gemachte Spielzeuge hatte sie, und sie spielten „immer draußen“. In Bands hat sie mitgemacht mit ihrer Flöte, in Kirchen und gerne improvisiert. In Hamburg hat sie auch Musikwissenschaft und Querflöte und dann Musiktheaterregie studiert. Als Regieassistentin debütierte sie 1988 in Dortmund und schaffte danach als freie Regisseurin in Bremen, Hannover, Saarbrücken, Darmstadt, Mainz und Saarbrücken.

An der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Kunst war sie Lehrbeauftragte. Große Akzeptanz in der Stadt und hohes Ansehen in der Welt der Oper hat sie sich in den acht Jahren als Intendantin in Kiel erarbeitet. „Saniert“, sagt sie, „sei ein fragwürdiger Begriff.“ Das Geld würde doch immer nur für Künstler ausgegeben, und nur vom künstlerischen Profil lebe ein Musiktheater.

Ein „innovatives Haus“ soll die Deutsche Oper sein – zeitgenössische Werke gehören ins Programm. Froh sei sie über das besonders kenntnisreiche Publikum hier. Das Budget sei eng. Kartenpreise ließen sich nicht grenzenlos erhöhen, sie seien nun mal „sozial“ bestimmt. Mit den 65 Prozent Auslastung ist sie noch nicht zufrieden. Die Vergleiche mit Häusern wie München oder Zürich, die der Finanzsenator ihr gerade wieder vorgehalten hat, ärgern sie etwas. In Berlin habe man unsinnigerweise vor wenigen Jahren das Abonnement abgeschafft. Alles in ihrem Haus sei vorbildlich organisiert, die Einsparmöglichkeiten fast völlig ausgereizt. Von den einmal 1000 Stellen seien heute noch 519 geblieben.

Privatleben lässt der Job der einst begeisterten Seglerin kaum. Mit ihrem Mann, dem Bühnenbildner Bernd Damovsky, hat sie dafür schon manches erfolgreiche Theater-Projekt gemeinsam aufgeschient. Sie wohnen mit ihrem 14- jährigen Sohn auf der Haveldüne. Der zumindest hat noch Zeit zum Segeln.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Kirsten Harms (49).

Die Musikwissenschaftlerin und

Flötistin arbeitete als Regisseurin an vielen deutschen Bühnen und ist seit 2004 Intendantin der Deutschen Oper Berlin.

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