• Intensiv-Fahndung nach Legionellen in Krankenhäusern Gesundheitsämter sollen genauer kontrollieren

Berlin : Intensiv-Fahndung nach Legionellen in Krankenhäusern Gesundheitsämter sollen genauer kontrollieren

Klinikhygieniker befürchten Überreaktion der Behörden

Ingo Bach

Berliner Krankenhäuser werden in den nächsten Wochen umfassend auf Legionellen überprüft. Nach den jüngsten Ausbrüchen der Legionärskrankheit im Klinikum Frankfurt (Oder) und im Reinickendorfer Humboldt-Klinikum sollen die amtlichen Kontrollen auf die Erreger dieser gefährlichen Form der Lungenentzündung verstärkt werden. „Wir werden die Gesundheitsämter der Bezirke bitten, da noch genauer hinzuschauen“, sagt Hermann Fromme, der in der Senatsgesundheitsverwaltung verantwortlich ist für die Trinkwasserüberwachung. In diesem Herbst sollen turnusgemäß in den Kliniken Wasserproben entnommen werden, wie es die neue Trinkwasserverordnung vorsieht. In diesem Rahmen sollen die Amtsärzte nun zusätzlich nach Legionellen fahnden.

Die Hospitäler wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Darunter befinden sich zum Beispiel das Bettenhochhaus der Charité in Mitte ebenso wie die beiden zum Vivantes-Konzern gehörenden Klinika Spandau und Friedrichshain. Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf traf es vier von zehn Krankenhäusern. „Sicher werden wir dabei auch Legionellen finden, denn die sind immer da“, sagt der Amtsarzt des Bezirkes, Andreas Beyer. „Wichtiger aber ist, wie viele Erreger wir entdecken, ob es besonders aggressive Stämme sind und ob sie in Stationen mit geschwächten Patienten auftauchen“, sagt Beyer.

Berliner Klinikhygieniker seien wegen der anstehenden Untersuchungen nervös. Manche befürchteten eine Überreaktion der Behörden, wenn Legionellen gefunden werden. In negativer Erinnerung ist einigen noch die Schließung ganzer Schwimmbäder vor zweieinhalb Jahren, nur weil man in Wasserproben Legionellen nachgewiesen hatte. Erkrankungen gab es damals nicht. Inzwischen halten Experten solche Radikalkur jedoch für übertrieben. Stattdessen müssten die Warmwasseranlagen mit hohen Temperaturen desinfiziert werden – so, wie es auch im Humboldt-Klinikum geschah.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern müssen in Berlin Legionellosen an die Gesundheitsämter gemeldet werden. Jedes Jahr würden im Schnitt 20 Fälle registriert, sagt Trinkwasserexperte Fromme. „Die Dunkelziffer wird allerdings höher sein.“ Experten schätzen, dass nur 50 bis 60 Prozent der Legionellosen überhaupt erkannt werden.

Legionellen sind in der Umwelt permanent vorhanden und können sich in warmem Wasser explosionsartig vermehren. Für junge, gesunde Menschen sind sie kein Problem. Gefährdet sind ältere Menschen oder Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Um eine Infektion auszulösen, muss man – zum Beispiel in Duschen – das kontaminierte Wasser als Aerosol einatmen. Von Mensch zu Mensch sind die Legionellen nicht übertragbar. Auch zu Hause kann man sich mit Legionellen infizieren. Wer seine Wassertemperatur selbst regulieren kann, sollte darauf achten, dass sie nicht unter 60 Grad fällt. Dann haben die Keime keine Chance.

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