• Intensivtäter nach Raubtat freigelassen Haftbefehl erst beim zweiten Anlauf der Justiz

Berlin : Intensivtäter nach Raubtat freigelassen Haftbefehl erst beim zweiten Anlauf der Justiz

Jörn Hasselmann

Eine energische Staatsanwältin hat die Entscheidung eines Haftrichters, zwei bekannte Intensivtäter nach einer Straftat wieder laufen zu lassen, kassiert. Die Juristin aus der Abteilung für Intensivtäter stellte gegen die beiden libanesischen Jugendlichen Haftbefehl aus, gestern früh um 6.15 Uhr wurden die beiden zuhause festgenommen. Youssef M. (20) und Wissam R. (18) hatten am 14. September in einem Telefongeschäft an der Karl-Marx-Straße Handys geklaut. Als sie erwischt wurden, wurden sie gewalttätig – und auch gegen ihre Festnahme wehrten sie sich körperlich. Da beide in der Intensivtäterkartei geführt werden und beide nur auf Bewährung draußen sind, wollte die Polizei Haftbefehle erwirken. Zum Entsetzen der ermittelnden Beamten ließ sie der zuständige Jugendrichter des Bereitschaftsgerichts am Tag nach der Tat laufen. Er wertete die Tat nicht als räuberischen Diebstahl (der wie Raub zu bestrafen ist), sondern als Diebstahl mit anschließender Körperverletzung – das ist kein Haftgrund.

Als diese Akten dann zu der im Jahr 2003 gegründete Abteilung für Intensivtäter kamen, handelte die Staatsanwältin sofort und beantragte Haftbefehle. Die Weddinger Youssef M. und Wissam R. müssen jetzt in Untersuchungshaft auf den neuen Prozess warten. Beide sind der Polizei durch 20 bis 25 Eigentums- und Rohheitsdelikte aufgefallen.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) lobte gestern ausdrücklich die Intensivtäterabteilung der Staatsanwaltschaft – und forderte Staatsanwälte und Bereitschaftsrichter in allen sechs Polizeidirektionen, um Pannen wie im Fall der beiden Libanesen zu vermeiden. Immer wieder werden überführte Straftäter von laschen Bereitschaftsrichtern freigelassen, kritisierte BDK-Landesvorsitzender Hansen, teilweise scheitere schon der Transport zum zentralen Bereitschaftsgericht an fehlenden Fahrzeugen.

„Die Staatsanwälte müssen in die Kieze, hin zu den Tätern. Wer sich kennt, arbeitet besser zusammen“, sagt Hansen. Vorbild seien die Intensivtäterabteilungen bei Polizei und Staatsanwaltschaft: Die einzelnen Ermittler dort kennen ihre Klientel persönlich. Justizsprecher Grunwald sagte, dass eine Neuorganisation mit örtlich zuständigen Staatsanwälten schon länger diskutiert werde, „derzeit intensiver“.

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