Interkulturelle Vätergruppe in Neukölln : Vater sein ist manchmal schwer

In Neukölln hat sich eine interkulturelle Vätergruppe gegründet: Arabische und türkische Männer sprechen über ihren Familienalltag.

Anne Hansen
Ein gutes Team. Bisher sind nur türkische und arabische Väter in der Gruppe - die Männer würden sich aber auch deutsche Mitglieder wünschen.
Ein gutes Team. Bisher sind nur türkische und arabische Väter in der Gruppe - die Männer würden sich aber auch deutsche Mitglieder...Foto: Mike Wolff

Dienstagnachmittag, 17 Uhr im Neuköllner Nachbarschaftsheim. Vier türkische und ein arabischer Mann sitzen an einem großen Tisch zusammen. Der Duft von frischem Tee erfüllt den Raum, von draußen ist das Lachen spielender Kinder zu hören. Einmal pro Woche treffen sich die Männer hier, um über ihren Familienalltag zu sprechen: Über die Erziehung der Kinder, über Probleme in der Partnerschaft. Oder auch mal darüber, dass manche Menschen die Haustür mit besonders viel Schwung zuwerfen, wenn sie einen Vertreter davor stehen sehen, der auch noch Türke ist.

Die Männer sprechen über Gefühle, Ängste, Wünsche: „Wir wollen uns austauschen und dadurch neue Blickwinkel auf Dinge eröffnen“, sagt einer, die anderen nicken. „Nur wenn man miteinander spricht, kann man Lösungen für seine Probleme finden.“

Ein Mitglied der Gruppe ist Omar Cherif, ein großer Mann mit dichtem Haar und ausdrucksstarken Augen. Cherif ist arabischer Herkunft und alleinerziehender Vater von zwei Kindern. Als er und seine deutsche Freundin sich trennten, lebten die Kinder zunächst bei ihr. Seit ein paar Jahren hat er nun das Sorgerecht.

Viele Leute würden ein wenig skeptisch reagieren, wenn er davon erzähle, sagt er. Araber sein und gleichzeitig alleinerziehend – das passe oft nicht in das Bild, das viele Menschen von arabischen Männern hätten. Dabei habe er genau dieselben Probleme und Sorgen wie alleinerziehende deutsche Väter auch. „Die Herkunft spielt dabei überhaupt keine Rolle“, sagt er. „Und außerdem gibt es jetzt ja die Gruppe. Die kann mir weiterhelfen, wenn ich wirklich mal nicht weiter weiß.“ Er lacht und schenkt sich neuen Tee ein.

Bislang gab es in Berlin etwa türkische oder deutsche Vätergruppen. Die interkulturelle Vätergruppe in Neukölln hat sich erst vor einigen Monaten gegründet. Sie nennt sich interkulturell, weil Väter aller Nationalitäten willkommen sind. Bisher jedoch kommen regelmäßig nur vier Türken und Omar Cherif, der Araber. Warum es nicht mehr sind? Die Männer rühren ratlos in ihrem Tee, es herrscht Stille. Sie haben sich Mühe gegeben, Werbung für die Gruppe zu machen: in Schulen, Vereinen, Moscheen. „Vielleicht sind die Themen zu privat“, sagt ein Vater schließlich. Das Ziel der Gruppe: ein großer Gesprächskreis mit Vätern unterschiedlicher Herkunft.

Jede Woche steht ein bestimmtes Thema auf der Tagesordnung der noch kleinen Gruppe. Letzte Woche war es Scham, heute geht es um Kommunikation. „Genau dazu habe ich neulich etwas erlebt“, sagt ein Vater. Er räuspert sich, die anderen sehen ihn gespannt an.

Sein zweijähriger Sohn habe plötzlich „Radau“ gemacht, als Freunde der Familie zu Besuch waren. Er rannte im Wohnzimmer auf und ab, bespuckte den Besuch und trat den Vater immer wieder gegen das Schienbein, erzählt der. „Ich wusste nicht, was er mir sagen wollte. Also habe ich ihn gefragt: Was möchtest du? Er antwortete: Ballspielen.“ Nach ein wenig Spielen sei der Sohn ruhig gewesen.

Während der Vater spricht, nicken die anderen zustimmend. „Dein Sohn scheint wohl in einer Trotzphase zu sein. Viel Spaß damit!“, sagt einer und lacht.

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