Internationale Gartenausstellung 2017 : In Marzahn entsteht eine begehbare Wolke

Der Wettbewerb für die Internationale Gartenausstellung in Marzahn ist entschieden - mit spektakulären Entwürfen. Mit der Iga sind Hoffnungen auf die Ankurbelung des Tourismus im Problembezirk verbunden. Schlechte Zahlen aus Hamburg werfen jedoch Fragen auf.

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So sieht’s aus. Jedenfalls auf dem Iga-Papier – der Aussichtsturm Wolkenhain.
So sieht’s aus. Jedenfalls auf dem Iga-Papier – der Aussichtsturm Wolkenhain.Foto: geskes.hack Landschaftsarchitekten, VIC Brücken und Ingenieurbau, Kolb Ripke Architekten

Auf dem Tempelhofer Feld wollte sie niemand haben. Deshalb stand die Internationale Gartenausstellung (Iga) in Berlin vor dem Aus. Nur ein Jahr ist das her – jetzt steht der Sieger des Internationalen Wettbewerbs für die Gestaltung der 100 Hektar großen Anlage fest. Es ist das Büro Geskes Hack, und es hat sich mit einem bunten Strauß von Ideen durchgesetzt, das den Marzahn-Tourismus ankurbeln und Berliner aus dem Zentrum an den Stadtrand locken könnte.

Denn wenn die Pläne aufgehen, dann entsteht über dem Plateau des schon heute 100 Meter hohen Kienberges eine neue Attraktion: die „Wolke“, wie die begehbare und mit hellen Textilien bespannte Skulptur über den Baumwipfeln des Trümmerberges genannt wird, die nachts sogar noch hell aufleuchten soll. Und damit Besucher das Iga-Gelände und die Stadt aus allen Himmelsrichtungen aus betrachten können, wird ein Rundweg auf der Wolke angelegt. Wer dann nicht mehr zu Fuß vom Berg hinab über den Serpentinenweg ins Tal will, der steigt in die Seilbahn, die ihn wahlweise zum Haupteingang des Areals trägt oder zum U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße – und von dort direkt nach Mitte.

Mit der neuen Gondelbahn zur IGA in Marzahn
In der Gondel geht es über das IGA-Gelände in Berlin-Marzahn. 2017 soll die Seilbahn - Streckenlänge: 1500 Meter - auf den Kienberg führen. Im Februar 2014 wurde das Konzept vorgestellt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Simulation: Ropeways/promo/IGA 2017
02.03.2016 15:15In der Gondel geht es über das IGA-Gelände in Berlin-Marzahn. 2017 soll die Seilbahn - Streckenlänge: 1500 Meter - auf den...

Dass der Bausenator mit seiner Iga von den Verantwortlichen im Bezirk „mit offenen Armen“ empfangen wurde, merkt man Michael Müller (SPD) an: Der sonst schon mal vom zähen Ringen mit Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos; für SPD) um die knappen Landesmittel Ermattete trumpfte bei der Vorstellung der Pläne locker auf und berichtete aus dem Senat, dass dieser ein „klares Bekenntnis“ für die Iga abgegeben und „eindeutig entschieden“ habe, das Projekt fortzuführen.

Berlin bekommt nach 60 Jahren eine Seilbahn
Berlin bekommt eine Seilbahn. 2017 soll sie auf den Kienberg am IGA-Gelände in Berlin-Marzahn schweben. Auch bei der Gartenschau 2003 in Rostock, hier im Bild, gab es eine Seilbahn.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: Imago
27.02.2014 13:31Berlin bekommt eine Seilbahn. 2017 soll sie auf den Kienberg am IGA-Gelände in Berlin-Marzahn schweben. Auch bei der Gartenschau...

Der Beitrag des Landes zur Schau ist aber auch auf maximal 9,8 Millionen Euro begrenzt, wie Grün-Berlin-Chef Christoph Schmidt sagte. Deshalb könnte sich die Iga als gute Investition für den Bezirk erweisen: Denn der Bund schießt 23 Millionen Euro dazu, zahlt also doppelt soviel wie Berlin. Da wäre eine Absage gleich gekommen mit einem Verzicht auf Millionen – und schon deshalb wohl schwer vermittelbar gewesen.

Zumal der Bezirk und die „Gärten der Welt“ langfristig von der Iga-Infrastruktur profitierten, das heißt, weit über die Dauer der 170 offiziellen Iga-Tage hinaus. So entsteht eine überdachte Freilichtbühne mit Platz für bis zu 8000 Menschen, eine Brücke am Westrand des Areals, damit dieses besser erreichbar ist, ein zweiter Weg zum Gipfel des Kienbergs, damit Jogger nicht immer dieselbe Strecke hinauf und hinab müssen. Außerdem wird die Wuhle, die bisher eher den Charme eines Tümpels hat, vergrößert und bekommt einen kleinen Strand in der Nähe des dort entstehenden Cafés. Und entlang der neu angelegten Wege durch die Gärten, wo schon heute zahlreiche Wanderer und Radfahrer die Natur genießen, legen Geskes und Hak mehrere begrünte Wasserbecken an, das größte davon sogar mit einem Wasserfall – „aquatica“, nennen sie es blumig.

Unbeantwortet bleibt indes die Gretchenfrage: Was die Nutzung der Seilbahn und der Eintritt zur Iga kosten werden. Aus Hamburg ist zu hören, dass dort die Zahl der Besucher hinter den Erwartungen zurückblieb und dafür zu hohe Eintrittspreise, die zu teuren Gastronomie und Verkehrsmittel auf dem Gelände verantwortlich gemacht werden. Immerhin verspricht Grün-Berlin-Chef Schmidt ein „differenziertes Preisgefüge“ sowie „Karten für Einheimischen“.

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