Berlin : Internationale Investoren setzen auf die Zukunft Berlins

Fondsgesellschaft Apellas will auf jeden Fall mitbieten, falls das Daimler-Chrysler-Areal verkauft wird. Experten rechnen mit großem Interesse und hohem Preis

Ralf Schönball

Die Nachricht über einen möglichen Verkauf des Potsdamer Platzes lässt die Finanzinvestoren aufmerken: „Sollte es zu einem Verkauf kommen, dann würde sich Apellas auf jeden Fall an einer Ausschreibung beteiligen“, sagt Ulrich Weber. Er ist der geschäftsführende Gesellschafter eines Unternehmens, das in Berlin Immobilien im Wert von 400 Millionen Euro erworben hat. Darunter ist auch die Berliner Hüttenwegsiedlung.

Am Geld würde eine Übernahme des Potsdamer Platzes durch Apellas nicht scheitern: Weber kann auf ein Milliardenkapital des Börsengurus George Soros zurückgreifen. Ein Teil davon wollte Weber eigentlich für den Erwerb der kommunalen Wohnungen in Dresden ausgeben. Doch sein Gebot, rund 1,6 Milliarden Euro, wurde knapp übertroffen.

„Der Potsdamer Platz ist ein exzellenter Standort mit exzellenten Objekten und einem großen Potenzial“, sagte Weber dem Tagesspiegel. Bedenken von Marktbeobachtern, wonach ein Verkauf des Areals an exorbitanten Forderungen von Daimler-Chrysler scheitern könnte, hält Weber für unbegründet. „Finanzinvestoren sind keine Schnäppchenjäger“, sagt er. Die Zeiten, in denen deutsche Immobilien zu „Discountpreisen“ gehandelt wurden, seien vorbei: „Für Qualität werden sehr hohe Preise bezahlt.“

Diese Auffassung teilen auch andere Marktexperten. Sven Stricker, Niederlassungsleiter der Immobilienberater Atisreal, sagt: „Derzeit ist extrem viel Kapital auf der Suche nach attraktiven Anlagen.“ Das Geld stamme etwa von US-amerikanischen Pensionskassen. Für diese sei der Potsdamer Platz sehr attraktiv, weil das neue Zentrum der deutschen Hauptstadt auch international ein Begriff ist.

Deshalb gehen Marktexperten davon aus, dass sich viele der in Deutschland bekannten ausländischen Finanzinvestoren an einem Bieterverfahren für den Potsdamer Platz beteiligen würden. Fortress etwa, die durch die Übernahme der Wohnungsbaugesellschaft Gagfah bekannt wurde. Auch die Käufer der Berliner Wohnungsbaugesellschaft GSW, Cerberus / Whitehall, werden gehandelt. Außerdem wäre vielleicht auch mit der Deutschen Annington zu rechnen, die mit der Übernahme von Eon-Tochter Viterra zum größten privaten Wohnungseigentümer im Lande wurde.

Und was kostet der Potsdamer Platz? Diese Frage können die Experten gegenwärtig nicht beantworten. Der Grund: Der Preis von Bürohäusern und Musicaltheater, von Hyatt-Hotel und Casino, von Potsdamer-Platz-Arkaden, Kinos und Wohnhäusern im Quartier hängt von deren Mieterträgen ab. Deren genaue Höhe kennen nur die Manager von Daimler-Chrysler. Klar ist jedoch: Die Büroflächen zählen zu den teuersten in der Stadt. Dafür gelten „Spezialimmobilien“ wie das Musical-Theater als riskante Investition. Dessen ungeachtet sagt Immobilienberater Stricker: „Der Investor wird sich mit einer geringen Anfangsrendite bescheiden müssen“. Anders ausgedrückt: Der Potsdamer Platz ist teuer. Insider rechnen mit einer Rendite von um die fünf Prozent. Aktien bringen mehr.

Doch das spielt für die Kaufinteressenten derzeit keine Rolle. Denn die wichtigste Botschaft des gegenwärtigen Immobilienbooms lautet: „Berlin hat ein großes Potenzial“, so Apellas-Chef Weber. Diese Zuversicht in die Zukunft der Stadt lassen sich die Investoren etwas kosten. mne

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