• "Internationale Liga für Menschenrechte" hatte aufgerufen, den Bund und das Land an ihr Versprechen zu erinnern, ein Mahnmal zu errichten

Berlin : "Internationale Liga für Menschenrechte" hatte aufgerufen, den Bund und das Land an ihr Versprechen zu erinnern, ein Mahnmal zu errichten

"Berlin, are you ready to party?" dröhnte es vom Kanzlerfest rund ums Brandenburger Tor. Hundert Meter entfernt, auf einer Wiese neben dem Reichstag, war einem kleinen Grüppchen nicht zum Feiern zumute. Seit vier Jahren trifft man sich dort jeden zweiten Sonntag im September, um "Steine des Anstoßes" für ein Mahnmal niederzulegen, eine Erinnerung an die 500 000 Sinti und Roma, die im Dritten Reich ermordet wurden. Die "Internationale Liga für Menschenrechte" hatte zu dem symbolischen Akt aufgerufen, um Bund und Land an ihr Versprechen zu erinnern, ein solches Mahnmal im Zentrum zu errichten.

Während man sich im Kanzleramt in Schweigen hüllt, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende, Klaus Landowsky, er wolle künftig als Deutscher mit erhobenem Haupt durch Berlins neue Mitte schlendern können. Deshalb reiche das Mahnmal für die Juden; und außerdem gebe es bereits eine Gedenkstätte in Marzahn, von wo die Nazis die Berliner Sinti und Roma 1942 nach Auschwitz deportiert hatten. Entsetzt über diese Argumentation zeigte sich Claudia Roth von den Grünen, die dem Menschenrechtsausschuss des Bundestages vorsitzt: "Die deutsche Geschichte lässt sich nicht einfach so entsorgen, und deshalb brauchen wir das Mahnmal an exponierter Stelle in Berlin, dort, wo der Völkermord geplant wurde." Der Menschenrechtsausschuss werde sich jedenfalls für das Mahnmal stark machen, betonte sie. Auch der Tiergartener Bezirksbürgermeister Jörn Jensen bekräftigte die Zustimmung seines Bezirks.

Die Mahnmalbefürworter berufen sich auf die Unterstützung prominenter Politiker von Michael Naumann über Roman Herzog, Rita Süssmuth bis zum Ex-Senator Wolfgang Nagel. Von denen war am Sonntagabend keiner anwesend, genauso wenig wie Repräsentanten der Sinti und Roma. Nur eine Sinti-Mutter im bunten Rock war mit ihren zwei Kindern erschienen, außerdem ein Gitarrist, der ein Klagelied anstimmte - so sah es jedenfalls aus. Sein Gesang wurde übertönt vom Gekreisch der Boygroup-Fans am Pariser Platz.

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