Berlin : Internationales Straßenkinder-Archiv in Berlin eröffnet

Ernst-Uwe Voshage

Straßenkinder gehören weltweit zum Alltag jeder größeren Stadt. Auf 100 bis 200 Millionen wird ihre Zahl geschätzt, in Berlin vermutet man bis zu 5000 Straßenkinder. Inzwischen arbeiten viele Organisationen an einer Verbesserung der Lebenssituation der Asphaltkinder. Doch bisher fehlte es an einer Einrichtung, die die in vielen Ländern geleistete Arbeit dokumentiert und einen Austausch der unterschiedlichen Ansätze und Vorgehensweisen ermöglichte. Das nun in Berlin gegründete "Internationale Straßenkinder-Archiv" möchte diese Aufgabe übernehmen.

Seit 15 Jahren beschäftigt sich die Leiterin des Archivs, Dolly Conto Obregón, mit den Problemen von Straßenkindern. Die Erziehungswissenschaftlerin hat in Deutschland und Kolumbien mit ihnen in Projekten gearbeitet und während der letzten Jahre an verschiedenen Berliner Universitäten und Fachhochschulen Lehrveranstaltungen zu diesem Thema angeboten. Im Rahmen eines "Theorie-Praxis-Seminars" an der Technischen Universität in Berlin nahm ihr lange gehegter Plan vom Straßenkinder-Archiv schließlich konkrete Formen an. Als Träger des Projekts konntedie "Gesellschaft für Internationale Kultur- und Bildungsarbeit" gewonnen werden. Weitere Kooperationspartner sind die "Internationale Akademie", die Freie Universität Berlin, das "Institut Paulo Freire" und die "Kontakt- und Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche".

Der größte Teil der Arbeit besteht in der Archivierung von Medienberichten und wissenschaftlichen Arbeiten über Straßenkinder. Öffentliche Vorträge, Seminare mit Streetworkern, Wissenschaftlern, oder auch Schülern werden ebenso angeboten wie zum Beispiel Fachtagungen. Außerdem sollen die bestehenden Kontakte mit Organisationen, die in diesem Bereich tätig sind, zu einem internationalen Netzwerk ausgebaut werden. Besondere Aufmerksamkeit wird auf der Straße lebenden Mädchen gewidmet, da sie in der Forschungsliteratur über Straßenkinder deutlich unterrepräsentiert sind.

Durch eine Anschubfinanzierung der "Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen" im Rahmen des Förderprogramms Frauenforschung konnte das Vorhaben abgesichert werden. Mit den bereit gestellten 115 000 Mark können zwei studentische Hilfskräfte und die Leiterin bis Mitte nächsten Jahres bezahlt werden. Danach wird das Archiv zum großen Teil auf Spenden angewiesen sein.

Dennoch ist Dolly Conto Obregón durchaus optimistisch: Die Räume des Archivs wurden von der Stiftung "Kinder in Not" zur Verfügung gestellt, Schreibtische und andere Einrichtungsgegenstände kamen von der Freien Universität, die Software für die Datenbanken wird in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Informatik der Technischen Universität entwickelt. Und neben den beiden Hilfskräften finden sich noch viele weitere Studierende, die am Aufbau des Archivs beteiligt waren und weiterhin mitarbeiten werden.Das Internationale Straßenkinder-Archiv befindet sich im Weinbergsweg 23 in Berlin-Prenzlauer Berg. Öffnungszeiten des Archivs: dienstags bis freitags, 10-16 Uhr, Telefon: 030 / 440 24 652.

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