Berlin : Internet-Firma erwarb den Bau am Theodor-Heuss-Platz vom SFB

CD

Das denkmalgeschützte Deutschlandhaus am Theodor-Heuss-Platz wird zum "Internet-Daten-Zentrum". Die amerikanische Firma PSINet, zu der auch der Berliner Internetzugangs-Anbieter Interactive Networx / Snafu gehört, hat den Umbau beim Bezirksamt beantragt und will mehr als 250 Millionen Mark investieren. In den sechs Etagen werden bis zu 300 000 Internet-Server installiert, laut PSINet ist diese Kapazität einzigartig in Berlin. Früher residierten im Deutschlandhaus der Sender Freies Berlin, die Film- und Fernsehakademie und die Stiftung Deutsche Kinemathek. Bereits 1996 kündigte der SFB seinen Mietern und suchte einen Käufer. Doch erst Ende vorigen Jahres gelang die Veräußerung. Dem Vernehmen nach betrug der Preis rund 23 Millionen Mark.

Die Dienste des Datenzentrums sind vor allem für Unternehmen gedacht, die selber keine Server-Rechner betreiben können oder wollen. Stattdessen werden die Computer im Deutschlandhaus die Firmenpräsentationen oder elektronische Geschäftsvorgänge übernehmen. Weil für den Betrieb auch große Kühl- und Notstromaggregate nötig sind, will Baustadträtin Beate Profé (Grüne) vor Erteilung der Genehmigung erst noch weitere Einzelheiten vom Investor erfahren. Schließlich grenze ein Wohngebiet an. PSINet-Projektleiter Jörn Lubkoll schloss Belästigungen auf Nachfrage jedoch aus. Man habe einen Gutachter eingeschaltet und plane Schallschutzwände. Auch Befürchtungen des Hochbauamts, wegen der Kühleinrichtungen könnten womöglich "Nebelschwaden" aus dem Haus aufsteigen, träfen nicht zu.

Eine geringe Zahl von Servern will PSINet bereits im Mai in Betrieb nehmen. Im Gebäude laufen derzeit erste Umbauten. Die Tochterfirma Interactive Networx behält ihren Standort am Hardenbergplatz.

Mittelfristig entstehen etwa 140 neue Arbeitsplätze im Deutschlandhaus. Man sucht bereits zusätzliche Spezialisten und will bald auch an Unis um Personal werben. Die Initiative von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die Anstellung ausländischer Fachkräfte zu erleichtern, habe für das Projekt jedoch keine Bedeutung, so Jörn Lubkoll. "Wir versuchen, qualifiziertes Personal im Berliner Raum zu finden."

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