Interview : Brandenburgs Kranich-Expertin Marion Szindlowski über den Anflug der Glücksvögel

Bis zu 80 000 Kraniche versammeln sich jetzt wieder rund um das brandenburgische Dorf Linum. Warum landen sie ausgerechnet dort? Marion Szindlowski weiß warum und informiert über Führungen.zu den faszinierenden Vögeln.

Christoph Stollowsky

Jetzt ziehen sie wieder mit lautem Trompeten übers Land, fliegen in Keilformation nach Süden und machen in großen Gesellschaften auf Brandenburgs Wiesen und Äckern Zwischenstation. Die Eleganz und Originalität der weltweit verbreiteten Kraniche hat die Menschen schon in der Antike fasziniert. In vielen Kulturen gilt der langbeinige Vogel als Symboltier für Wachsamkeit, Klugheit und ein langes Leben. Deshalb wird er auch „Vogel des Glücks“ genannt. Seine spektakulären Balztänze sind der Höhepunkt jeder Führung zu den Kranich-Kolonien. Das Dorf Linum im Norden Berlins zwischen Oranienburg und Neuruppin ist der bevorzugte Versammlungsplatz von Kranichen in Brandenburg. Zu vielen Tausenden fallen sie dort ein. Das Naturschutzzentrum des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Linum, auch ,,Storchenschmiede" genannt, bietet des halb zahlreiche Ausflüge zu den Sammelplätzen an. Christoph Stollowsky sprach mit der Linumer Kranich-Expertin Marion Szindlowski über den diesjährigen Anflug der Kraniche und die Angebote des Zentrums.

Frau Szindlowski, wieviele Kraniche sind schon rund um Linum gelandet?
Etwa 500 sind bereits da. Die ersten Vögel kommen ja in der Regel ab Anfang September aus ihren Sommerquartieren in Skandinavien oder Osteuropa. Mitte Oktober ist dann die Hochsaison. Zu dieser Zeit leben hier auf unseren Feldern und Wiesen bis zu 80 000 Kraniche. Ab Anfang November fliegen die meisten weiter zu ihren Überwinterungsgebieten im Süden Frankreichs und in Spanien. Mitte bis Ende November verlassen uns die letzten Tiere.

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Warum bevorzugen so viele Kraniche bei ihrer Zwischenrast Linum?
Sie lieben unsere vielen Feuchtwiesen. Das ist ja zugleich unser Trumpf bei den Störchen, deshalb wird Linum auch „Storchendorf“ genannt.
Die teils flach überschwemmten Wiesen sind ihre bevorzugten Schlafplätze. Dort verbringen sie die Nacht auf einem Bein stehend und fühlen sich sicher. Das Wasser hält mögliche Feinde wie Füchse oder Marder ab, die vor allem den jungen Vögeln gefährlich werden können. Außerdem reflektiert die Wasserfläche das wenige Licht des Nachthimmels. Die Umgebung ist dadurch etwas heller und besser einsichtig.

Was fressen die Kraniche bei ihrer Rast in Linum?
Auf den abgeernteten Feldern finden sie in großen Mengen liegen gebliebene Mais- und Getreidekörner. Auf den Wiesen Kleintiere wie Frösche und Mäuse. Ihr Tisch ist bei uns bestens gedeckt. Sie können sich in Linum schön voll futtern, bevor sie ihre Reise zur nächsten Zwischenstation vielleicht irgendwo in Süddeutschland fortsetzen.

Was fasziniert Sie persönlich an den Kranichen?
Ich arbeite schon seit vielen Jahren in der Naturschutzstation. Doch wenn die Kraniche trompetend über den Himmel ziehen. Wenn sie majestätisch über die Felder stolzieren, dann bekomme ich immer wieder aufs Neue eine Gänsehaut.

Welche Führungen bieten Sie zu den Sammelplätzen an?
Wir veranstalten ganz unterschiedliche Touren. Zum Beispiel abendliche Ausflüge, bei denen man erlebt, wie die Tiere zu ihren Schlafplätzen einfliegen. Oder Morgentouren für Frühaufsteher. Es gibt auch längere Halbtagsexkursionen, bei denen wir die Vögel unter anderem beim Äsen beobachten. Und wer sich richtig satt sehen will, der kann an einer Ganztagsführung teilnehmen. Außerdem gibt es noch Vorträge und Ausstellungen. Die genauen Daten stehen auf unserer Website unter www.berlin.nabu.de/projekte/linum/kraniche. Telefonisch geben wir unter der Nummer 033922-50500 Auskunft.

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