Interview : „Der Alexanderplatz ist der richtige Ort für Türme“

Die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher prüft Änderungen am Masterplan für den Alexanderplatz, damit das Park-Inn-Hotel nicht abgerissen werden muss.

Foto: Mike Wolff
Foto: Mike WolffFoto: Mike Wolff

Am Alexanderplatz wird gebaut und mit Grundstücken gehandelt. Wann kommen die Türme von Blackstone neben dem Park-Inn-Hochhaus?

Wir sind mit Blackstone intensiv im Kontakt und ringen darum, wie man das städtebauliche Konzept von Hans Kollhoff umsetzen kann. Der Masterplan sieht die Errichtung neuer Blöcke vor. Das ist eine Vision. Um diese umsetzen zu können, müsste man das Hochhaus mit dem Park-Inn-Hotel abreißen. Für den Investor ist das wirtschaftlich nicht darstellbar. Deshalb werden wir im Rahmen eines gemeinsamen Workshops nach Alternativen suchen, die auch für uns vertretbar sind. Erst dann sind wir bereit, die bestehenden städtebaulichen Verträge anzupassen.

Kommen Sie dem Investor entgegen?

Im Konzept des Masterplanes schaffen wir die Anbindung für die später zu bebauenden Flächen im hinteren südlichen Bereich an den Alexanderplatz und das ist uns wichtig. Das leistet der im Tagesspiegel gezeigte Entwurf nicht. Der Masterplan sieht im Bereich des Sockels drei getrennte Blöcke vor und genug Raum zwischen ihnen. Dazu müsste man einen Teil der Fußbebauung am Park-Inn-Hotel abreißen.

Ist der Finanzgigant kompromissbereit?

Ich glaube nicht, dass der Investor leichtfertig von dem bestehenden Bebauungsplan abrücken will, denn dann müsste das Planungsverfahren wieder von vorne beginnen, mit möglicherweise ungewissem Ausgang bei der Behandlung im Parlament. Im Workshop suchen wir Alternativen, indem wir zum Beispiel den Standort eines der neu geplanten Türme innerhalb des Blockes verschieben, damit größere Teile der bestehenden Bauten erhalten bleiben. Aber auch dann bleibt für den Investor die Verpflichtung bestehen, dass die Planung erneut dem Abgeordnetenhaus vorgelegt werden muss.

Braucht Berlin denn Türme?

Berlin ist eine Metropole und jede Metropole macht an gewissen Orten ein Angebot für den Bau von Türmen. Denn es gibt einen gewissen Druck von Investoren, solche Projekte zu realisieren. Diesen Druck kann die Stadt steuern, indem sie einen Standort anbietet, an dem man Türme will. Dafür ist der Alexanderplatz der richtige Ort. Die Realisierung des Masterplans wäre ein Sprung ins 21. Jahrhundert. Die Frage ist nur, ob Berlin diesen Sprung schon heute macht oder erst in 20 Jahren.

Zurzeit sind Wohntürme in Mode. Halten Sie solche Pläne für realistisch?

Es gibt Anfragen wegen der Türme, aber bis jetzt waren sie nicht sehr konkret. Türme sind teuer. Eine solche Investition wird genau überlegt, zumal es in Berlin viele unbebaute 1A-Lagen gibt, in der Europacity Heidestraße und am Humboldthafen sogar am Wasser. Ein Wohnturm ist sicher ein Angebot für Mieter und Eigentümer, die bereit sind, einen gewissen Preis für urbanes Wohnen zu bezahlen. Es wäre wünschenswert, aber ich bin nicht sicher, ob es sich am Alexanderplatz rechnen würde, obwohl es Entwickler gab, die so etwas angestrebt haben.

Sie arbeiten an einem halben Dutzend Großprojekten. Wenn Sie eins herausheben müssten, welches wäre es?

Das Flugfeld Tempelhof, weil es den Puls der Stadt trifft. Wir haben wenig Geld, keinen Großinvestor und darin liegt die Gunst der Stunde. Wenn wir einen großen Investor gehabt hätten, dann wären wir nie auf die Idee gekommen, Zwischennutzungen anzusiedeln. Jetzt gehen die Menschen auf das Flugfeld und vernetzen es so mit den umliegenden Quartieren. Es entwickelt sich gerade zu einem großen urbanen Landschaftsraum. Das brauchen Städte, wenn man die Menschen hier halten möchte. Es geht um die Themen gesunde Stadt, Klima, Bewegung. Darin liegt das Potenzial von Berlin und dafür steht das Tempelhofer Feld. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Menschen in 100 Jahren sagen werden: Das war eine visionäre Entscheidung.

Das Interview führte Ralf Schönball

Regula Lüscher, 48, ist seit drei Jahren Senatsbaudirektorin. Anders als ihr Vorgänger Hans Stimmann gilt sie als besonnene Moderatorin zwischen Investorendruck und Landesinteressen.

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