INTERVIEW : „Die extreme Belastung der Deiche hält an“

Kommt Brandenburg beim Hochwasser glimpflich davon?

Das kann im Moment noch niemand sagen. Der Scheitel hält noch mindestens zwei Tage an und damit die extreme Belastung für die Deiche. Kein Hochwasser ist ohne Risiko. Das hat man beim Abriss der Grasnarbe am Altdeich in der Ziltendorfer Niederung gesehen. Noch ist die Gefahr nicht vorüber.

Wo sind noch kritische Punkte?

Das sind die drei Baustellen, wo die Sanierung noch nicht fertig war. Das betrifft vor allem den längeren Abschnitt bei Brieskow-Finkenherd. Dort ist die Baustelle aber inzwischen gut gesichert. Insgesamt aber sind die Deiche viel besser als 1997. Das Land hat 220 Millionen Euro in ihre Erneuerung investiert und 60 Hektar Überflutungsflächen geschaffen. In diesem Jahr werden 15 Millionen verbaut.

Gibt es aus Ihrer Defizite im Einsatz?

Aus jetziger Sicht nicht. Alle haben aus der Katastrophe von 1997 gut gelernt und im Gegensatz zu damals rechtzeitig Vorsorge getroffen. Das betrifft den Katastrophenschutzstab der Regierung, aber auch vor allem die Einsatzstäbe in den Kreisen, die die Hauptverantwortung im Einsatz tragen.

Sind Konsequenzen absehbar, die gezogen werden sollten?

Unbedingt, wir müssen, wenn das Hochwasser abgeflossen ist, Schlussfolgerungen ziehen. Wir müssen möglichst viele Überflutungsflächen schaffen, auch wenn das nicht überall möglich ist. Da bin ich mir mit dem Ministerpräsidenten einig. Das Hochwasser hat uns gezeigt, dass man den Flüssen ihren Raum zurückgeben muss. Das ist der beste Hochwasserschutz.

Anita Tack

ist seit 2009 Umweltministerin von Brandenburg. Mit der 59-jährigen Politikerin, die der Linkspartei angehört, sprach Thorsten Metzner.

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