INTERVIEW : „Die Qualität der Bewerbung leidet – besonders bei Anfängern“

Natalie Mankuleyio hatte Erfolg mit einer anonymen Bewerbung. Jetzt ist sie selbst Personalchefin - und wendet beide Verfahren an

Von Katharina Fiedler
Natalie Mankuleyio, 31, bewarb sich bei einem Münchner Startup. Mittlerweile ist sie dort Personalchefin.
Natalie Mankuleyio, 31, bewarb sich bei einem Münchner Startup. Mittlerweile ist sie dort Personalchefin.Foto: privat

Frau Mankuleyio, sind Sie schon mal wegen Ihrer Herkunft nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen worden?

Ich selbst habe das noch nicht erlebt. Aber ich kenne Menschen, die einen Selbstversuch gestartet und gleiche Bewerbungen mit ihrem ausländischen Namen und einem deutschen Namen losgeschickt haben. Auf die Bewerbung mit einem deutschen Namen wurde öfter mit einer Einladung geantwortet.

Gibt es Bewerber, die damit Probleme haben, ihre Bewerbung zu anonymisieren?

Absolut. Es ist nicht einfach, sich und seine Erfahrung gut zu präsentieren und gleichzeitig auf Details und Hintergründe zu verzichten. Die Qualität der Bewerbung leidet dadurch. Ich überlege mir daher genau, für welche Ausschreibungen ich das Verfahren nutze. Wenn wir frische Absolventen suchen, gehen wir den Weg mit Foto und Lebenslauf.

Halten Sie das Verfahren also für ersetzbar?

Nein. Anonyme Bewerbungen schaffen eine Sensibilisierung für Diskriminierung. Durch Diskussionen kommen alle damit in Berührung und denken über Diskriminierung nach. Es ist wie ein Tool zur Weiterentwicklung.

Welchen Effekt hat das anonymisierte Verfahren auf Sie?

Meine Sicht auf Bewerbungen hat sich geändert. Ich merke immer wieder, wie ich mich selbst und meine Entscheidungen hinterfrage. Wenn persönliche Daten nicht sichtbar sind, versucht man sich zwar ein Bild zu machen, aber das muss nicht der Realität entsprechen.

Sind Sie oft überrascht?

Das sind für mich die schönsten Momente. Ich habe auch noch viele herkömmliche Bewerbungen auf dem Tisch. Nicht jedes Foto ist vorteilhaft und nicht jeder Lebenslauf zeichnet ein positives Bild. Doch dann denke ich gleich: alles ausblenden und nur auf die Qualifikation fokussieren. Durch das anonyme Bewerbungsverfahren bin ich dafür sensibilisiert.

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