Interview mit dem neuen Zoodirektor : „Alle werden den Tierpark lieben“

Für die Nachfolge von Noch-Zoodirektor Blaszkiewitz bewarben sich über 40 Interessenten. Einer hat es geschafft. Der neue Chef von Zoo und Tierpark, Andreas Knieriem, über die Rechenkünste eines Veterinärs, moderne Gehege und seine Vision für Berlin.

Andreas Krieriem ist derzeit noch Direktor des Münchner Zoos Hellabrunn. Foto: dpa
Andreas Krieriem ist derzeit noch Direktor des Münchner Zoos Hellabrunn.Foto: dpa

Herr Knieriem, als Sie am Freitag der Belegschaft des Münchener Zoos verkündeten, dass Sie Berlins neuer Zoodirektor werden, soll es eine Weile still gewesen sein. Alle waren traurig, heißt es. Warum gehen Sie trotzdem nach Berlin?

Erstmal Grüß Gott an die Berliner. Im Zoo von Hannover, wo ich vor München tätig war, haben wir ,Moin, moin’ gesagt. Sie sehen, ich bin flexibel. Auch hinsichtlich meines Arbeitsplatzes. Berlins Zoologischer Garten und der Tierpark Friedrichsfelde sind für mich eine unglaublich verlockende neue Aufgabe. Der Zoo ist der älteste und artenreichste Tiergarten Europas, im einstigen Schlosspark von Friedrichsfelde gibt es fulminante Möglichkeiten, diesen noch attraktiver zu machen.

Den Tierpark besuchen überwiegend Menschen aus dem Ostteil der Stadt. Viele West-Berliner kennen ihn nicht.

Das wird sich ändern. In einigen Jahren werden alle Berliner den Tierpark lieben. Dann kommt er auch aus den roten Zahlen raus. Das schaffen wir.

Und wie?

Ich kann und will noch keine einzelnen Maßnahmen nennen. Aber ich werde in Berlin genauso vorgehen, wie ich es im Zoo Hannover von 1996 bis 2009 und danach in München gemacht habe. Wir müssen erst einmal in einem Expertenteam die Stärken und Probleme beider Zoos gründlich analysieren und Potentiale ermitteln. Danach werden wir einen soliden Entwicklungsplan aufstellen.

Sie gelten als Visionär unter den Zoo-Experten. Den einst defizitären Zoo in Hannover haben Sie als Vizechef zum gewinnbringenden ,Erlebnis-Zoo’ umgebaut. Hellabrunn in München hat viele Fans, weil Sie dort das Konzept des Geo-Zoos vorangetrieben haben. Was fasziniert Sie daran?

Im Gegensatz zum klassischen systematisch geordneten Zoo mit getrennten Raubtier- oder Antilopenhäusern werden die Tiere hier auf Landschaftsanlagen in ihrem natürlichen Zusammenleben gezeigt, nach Kontinenten geordnet. Die Absperrungen der Gehege sind möglichst nicht sichtbar, so dass diese Naturanlagen sehr authentisch wirken. So können wir die Menschen für das Thema Tier und Natur am besten begeistern, ohne gleich ein Disneyland zu schaffen.

Lässt sich das in Berlin tatsächlich verwirklichen?

Der Tierpark Friedrichsfelde ist ja schon in Teilen ein Geo-Zoo, denken Sie mal an die schönen großen Antilopenanlagen. Auf jeden Fall will ich nichts mit der Brechstange ändern, sondern Schritt für Schritt mit der notwendigen Sensibilität vorgehen. Die Berliner Zoos sind ja schon jetzt absolut sehenswert.

Sehen Sie die Gefahr, dass ihre guten Ideen an der Berliner Finanznot scheitern? Fünf Millionen Investitionsmittel will das Land für den Tierpark bereitstellen, wenn ein überzeugendes Konzept erst mal vorliegt. Insider sagen, das sei viel zu wenig.

Wir werden neue Projekte erarbeiten, die sich auf Dauer bezahlt machen. Mehr Besucher anlocken, dadurch die Einnahmen verbessern – das wird klappen.

Der jetzige Berliner Zoo hat noch eine Doppelspitze. Bernhard Blaszkiewitz ist für die tierpflegerische Seite zuständig, ihm zur Seite steht Gabriele Thöne als Finanzchefin. Thöne hat gekündigt, Sie sollen künftig beide Jobs machen. Trauen Sie sich das zu?

Das mache ich seit 2010 ja schon in Hellabrunn. Ich bin zwar Veterinär, aber auch Tierärzte können rechnen. Außerdem habe ich mich im Finanzwesen fortgebildet. Hellabrunn macht seit längerem jährlich ein bis zwei Millionen Euro Gewinn.

Berlins bisheriger Zoochef wird unter anderem wegen seiner autoritären Personalführung und einsamen Entscheidungen kritisiert. Was ist ihr Management-Prinzip?

Ich bin ein ,Wir’-Mensch. Sehe mich oben auf einer Leiter, um die Übersicht zu bewahren. Aber diese Leiter halten viele Mitarbeiter, so dass jeder eine wichtige Verantwortung trägt. Ich habe an vielen Coachings teilgenommen. Man streut Sand ins Getriebe, wenn man nicht transparent arbeitet und kompromissfähig bleibt.

Bernhard Blaszkiewitz will noch bis zum Ablauf seiner Vertragszeit im Juni 2014 Zoodirektor bleiben. Über seinen vorzeitigen Weggang wird verhandelt. Wann kommen Sie nach Berlin?

Auf jeden Fall nicht vor Jahresende. Es hängt auch davon ab, wann ich meinen Vertrag lösen kann. Er endet offiziell im Oktober 2014.

Mögen Sie Berlin?

Klar. Ich habe an der Freien Universität studiert, meine Frau ist Berlinerin. Ich brauche in Berlin kein Navi im Auto.

Das Interview führte Christoph Stollowsky


Andreas Knieriem, 48, wird künftig den Zoo und den Tierpark in Berlin leiten. Derzeit ist er noch Direktor des Münchner Zoos Hellabrunn.

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