Interview mit einem Lebensretter : "Der Zug kam direkt auf uns zu"

Der 25-jährige Bundespolizist Sebastian Röher rettete am Mittwoch eine 15-Jährige vor dem Selbstmord. Das Mädchen hatte sich am S-Bahnhof Charlottenburg vor einem Zug stürzen wollen. Es war eine Sache von Sekunden.

von
So sieht ein Held aus: Bundespolizist Sebastian Röher, 25.
So sieht ein Held aus: Bundespolizist Sebastian Röher, 25.Foto: privat

Herr Röher, heute ist Ihr freier Tag. Gab es nach ihrer Glanztat Sonderurlaub?

Nein, ich hätte auch so freigehabt. Natürlich haben mich die Kollegen beglückwünscht, auch vom Chef gab es Lob und ein paar nette Worte.

Sie haben am Mittwoch einer 15-Jährigen Schülerin, die sich das Leben nehmen wollte, gerettet. Was genau ist vorgefallen?
Ich hatte gerade Schichtübergabe, als die Meldung kam, am S-Bahnhof Charlottenburg treibe sich ein Mädchen bei den Hochspannungsleitungen herum. Wir sind sofort mit Blaulicht los. Vor Ort kam eine Passantin auf uns zu: Das Mädchen sei ins Gleisbett gerannt. Als ich sie sah, hörte ich schon das Signalhorn. Der Zug kam uns direkt entgegen.

Wie haben Sie reagiert?
Ich erinnere mich daran, „Ey!“ und „Aufhören!“ gerufen zu haben. Vom Bahnsteig aus waren es gut 300 Meter. Wir rannten los, das Mädchen flüchtete. Unterwegs kamen wir an ihren Sachen vorbei: Handy, Handtasche – sie hatte alles abgelegt.

Sind sie ein guter Sprinter?
In meinem Zug bei der Bereitschaftspolizei bin ich eher einer von den Langsamen: 13,2 Sekunden auf hundert Meter. Zum Glück hat es gerade so gereicht.

Wie lief der entscheidende Augenblick?
Ich war ganz kurz hinter dem Mädchen. Sie bog ab, um sich vor den Zug zu stürzen. Ich habe mich gestreckt, bekam sie mit den Händen zu fassen und habe sie mit aller Kraft zurückgezogen.

Wie weit war der Zug noch weg?
Ich habe die Gefahr in dem Moment nicht wahrgenommen. Mein Kollege meinte, dass es vielleicht noch zwei Meter waren. Als der Zug stand, befanden wir uns auf Höhe des dritten Waggons. Ich schrie das Mädchen an: Bist du bescheuert?

Was hat das Mädchen gemacht?
Sie sackte zusammen und begann zu weinen. Dann versuchte sie, sich wieder loszureißen. Aber ich habe sie festgehalten und nicht mehr losgelassen.

Fühlen Sie sich jetzt als Held?
Schöner wäre es gewesen, wenn ich das Mädchen nicht hätte retten müssen.

Das Gespräch führte Timo Kather.

Autor

7 Kommentare

Neuester Kommentar