• Interview mit erfolgreichem Quereinstiegs-Lehrer: „Ich hatte nicht mit der Respektlosigkeit gerechnet“

Interview mit erfolgreichem Quereinstiegs-Lehrer : „Ich hatte nicht mit der Respektlosigkeit gerechnet“

Ein Lehrer, der den Quereinstieg an einer Berliner Schule bereits geschafft hat, über zerrissene Arbeitsblätter – und schöne Überraschungen.

Michael Kretschmer, 58, unterrichtet Mathematik und Physik an der ersten Gemeinschaftsschule Schöneberg.
Michael Kretschmer, 58, unterrichtet Mathematik und Physik an der ersten Gemeinschaftsschule Schöneberg.Foto: privat

Herr Kretschmer, Sie haben den Quereinstieg schon hinter sich und sind seit Januar ausgebildeter Lehrer. Wie war’s?

Ich bin sehr froh, dass ich diese Chance hatte. Aber es war schon hart, auch für meine Familie. Ich habe gefühlt mehr als 60 Wochenstunden gearbeitet.

Was war die größte Schwierigkeit?

Ich hatte nicht mit der Respektlosigkeit der Kinder gerechnet. Da rennen manche Siebtklässler während der Stunde herum, zerreißen Arbeitsblätter, duzen die Lehrer. Außerdem sind die Schulen sehr im Umbruch, das verunsichert auch viele erfahrenere Kollegen.

Was haben Sie denn vorher gemacht?

1990 ging meine Doktorandenstelle als Physiker wendebedingt verloren. Ich habe dann im EDV-Bereich gearbeitet, war lange IT-Trainer in der Erwachsenenbildung, zuletzt IT-Manager in einem Planungsbüro. 2009 musste ich mich neu orientieren.

Und wie sind Sie dann auf die Idee gekommen, Lehrer zu werden?

Meine Frau und ich betreuen seit vielen Jahren Pflegekinder, wir haben schon über 30 Kinder aufgenommen. Uns ging es dabei immer darum, eine gute Beziehung zu den Kindern aufzubauen. Das will ich auch als Lehrer umsetzen.

Wie wurden Sie darauf vorbereitet, allein vor der Klasse zu stehen?

Na ja, am Anfang gar nicht so richtig. Ich hätte mir mehr Begleitung gewünscht. Es gab nur zwei Unterrichtsbesuche pro Fach im Halbjahr. In den Lehrerseminaren lernt man dann aber schon viel über Pädagogik, das ist hilfreich.

Was war bisher Ihr schönstes Erlebnis?

Nach dem Examen haben meine Siebtklässler mich mit einem Tafelbild, Blumen und einer Karte überrascht. Und es macht mich froh, wenn ich sehe, dass ich die Schüler erreichen kann, und sie merken, dass ich ihnen etwas zutraue.

Das Gespräch führte Sylvia Vogt.







Michael Kretschmer, 58, unterrichtet Mathematik und Physik an der ersten Gemeinschaftsschule Schöneberg.

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