Interview mit Karen Thormeyer : "Olympia ist ein Fest für Privilegierte"

Die Chefin der Grünen Liga fürchtet Nachteile für Stadt und Bürger – und Profite vor allem für IOC und Konzerne. Drei Fragen, drei Antworten.

Karen Thormeyer, Geschäftsführerin der Grünen Liga Berlin.
Karen Thormeyer, Geschäftsführerin der Grünen Liga Berlin.Foto: Grüne Liga/promo

Im März entscheidet der DOSB, ob Hamburg oder Berlin deutscher Olympiakandidat für die Spiele 2024 wird. Hier stellen wir in loser Reihenfolge Gegnern und Befürwortern dieselben drei Fragen. Dieses Mal:

Karen Thormeyer. Sie ist Geschäftsführerin der Grünen Liga Berlin. Die diplomierte Landschaftsplanerin ist unter anderem als Bürgerdeputierte im Stadtentwicklungsausschuss Pankow tätig.

Für Olympia oder dagegen?

Natürlich dagegen! Berlin braucht so vieles, aber sicherlich keine kostenintensive vierwöchige Großveranstaltung, bei der der finanzielle Nutzen steuerfrei an das IOC und einige große Konzerne geht.

Was kann Berlin gut?

Berlin ist so eine liebenswerte, offene und lebendige Stadt, sie lockt alljährlich Millionen von Besucherinnen und Besucher an. Die bunte Mischung von Menschen, ihren Ideen und Lebensmodellen macht Berlin so anziehend. Das kann die Stadt gut darstellen, und sie bietet Raum und Möglichkeiten, vielfältigste Ideen und Projekte zu verwirklichen. Nicht vergessen werden sollten aber die Berlinerinnen und Berliner und ihre Bedürfnisse, um hier gut leben und arbeiten zu können. Dazu gehören bezahlbare Wohnungen und intakte Sportanlagen für den Breitensport genauso wie Grün- und Freiflächen zur Erholung, als Klimaschneisen und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Könnte Olympia ein Wir-Gefühl auslösen?

Ein positives „Wir“-Gefühl wird sich sehr schnell legen, wenn extra Fahrspuren für das IOC und die Sportlerinnen den Verkehr in Berlin behindern, der Sportunterricht der Kinder an der Grundschule weiterhin ausfällt, weil es durch das Dach der Turnhalle tropft, die Mieten durch ein Ereignis wie Olympia sprunghaft ansteigen und die vom IOC verordneten Sicherheitsauflagen eine ganze Stadt lähmen. Olympia ist ein Fest für Privilegierte, nicht für die breite Masse. Sport sollte auch nicht vor dem Fernseher, sondern im Park oder in der Turnhalle um die Ecke stattfinden. Kostengünstig und jederzeit möglich.

Die Fragen stellte Armin Lehmann

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