• Interview mit Landestierschutzbeauftragtem: Mehr Tierversuche in Berlin: Geht es wirklich nicht ohne?

Interview mit Landestierschutzbeauftragtem : Mehr Tierversuche in Berlin: Geht es wirklich nicht ohne?

In Berlin werden immer mehr Tierversuche durchgeführt. 2012 wurden 436 000 Tiere in der Forschung eingesetzt und dabei oft getötet. Das waren 61 000 Tiere mehr als noch 2011. Können Sie uns das erklären?

Berlins rot-schwarze Regierung hat sich zwar im Koalitionsvertrag festgelegt, dass sie sich für die Einschränkung von Tierversuchen einsetzen will und verstärkt tierversuchsfreie Forschungsmethoden fördert. Das lässt sich aber nicht kurzfristig verwirklichen, zumal die drastische Zunahme der Tierversuche mit einem neuen Forschungsschwerpunkt zusammenhängt. Es wird zurzeit wesentlich mehr mit sogenannten transgenen Mäusen gearbeitet, bei denen man Gene verändert oder ausschaltet. Das kann beispielsweise die Krebsforschung voranbringen.

Auf diesem Gebiet sind Tierversuche also durchaus sinnvoll?

Es wäre falsch, sie pauschal abzulehnen. Es geht vielmehr darum, nach Alternativen in verschiedener Hinsicht zu suchen. In der Kosmetikforschung wurden bereits ersatzweise Methoden entwickelt, die Tierversuche gänzlich überflüssig machen. Deshalb hat die EU hier den Einsatz von Tieren schon untersagt. In anderen Bereichen, bei denen Tierversuche zum medizinischen Fortschritt noch unverzichtbar sind, müssen wir die Versuchsmethoden qualitativ derart optimieren, dass die Tiere zumindest weniger Qualen erleiden und seltener sterben müssen. Auch die Haltung der Versuchstiere muss verbessert werden.

Was sollte der Senat dafür tun?

Wir brauchen an den Berliner Universitäten eine Professur für entsprechende Forschungen. So etwas lässt sich nicht mit einzelnen, kurzfristig geförderten Forschungsprojekten vorantreiben. Dafür sind nachhaltige wissenschaftliche Arbeiten nötig.

Sie setzen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten für Alternativen zu Tierversuchen ein. Wie verfolgen Sie das Thema als Tierschutzbeauftragter weiter?

Jede neue Versuchsreihe muss beantragt und genehmigt werden. Darauf kann ich beispielsweise als Mitglied der Berliner Genehmigungskommission des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Einfluss nehmen. Außerdem leite ich Kurse für Wissenschaftler, die an solchen Versuchen beteiligt sind. Sie lernen, wie man häufig auch ohne Einsatz von Tieren zu den angestrebten Ergebnissen kommt.

Prof. Horst Spielmann, 70, ist Mediziner, Pharmakologe und Landestierschutzbeauftragter. Das Gespräch führte Christoph Stollowsky.

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