Investitionen gefragt : Hilferuf der Helfer

Wegen neuer Regeln im Katastrophenschutz fehlt Organisationen wie DRK und Samaritern plötzlich Geld.

von
328377_0_231b4682.jpg
Nicht alles neu, was glänzt. Die Fahrzeuge der Hilfsorganisationen sind überwiegend zwischen zehn und 20 Jahre alt und deshalb...dpa

Ob Karneval der Kulturen, Silvesterparty am Brandenburger Tor oder ein Sommertag am Wannseestrand – die Ehrenamtlichen von Hilfsorganisationen sind dabei: Rotes Kreuz (DRK), Johanniter, Malteser und Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Meist stehen sie gut sichtbar mit ihren signalfarbenen Jacken und ihren oft angejahrten Fahrzeugen am Rande des Geschehens – und greifen ein, sobald jemand versorgt werden muss. Doch jetzt brauchen die Helfer selber Hilfe. Denn zum Jahreswechsel hat der Bund den Katastrophen- und den Zivilschutz (für den Kriegsfall) umstrukturiert – mit dem Effekt, dass nach Auskunft der Verbände das Geld nicht mehr reicht, weil Berlin im Gegensatz zu anderen Bundesländern die Finanzierungslücke nicht komplett stopft.

Die Berliner Innenverwaltung hat 292 bisher vom Bund finanzierte Katastrophenschutzfahrzeuge vom Bund geerbt und würde sie den Hilfsorganisationen gern schenken. „Damit bleiben die Fahrzeuge zwar wie gehabt bei uns in der Garage, aber wir haben nun das Kostenrisiko“, sagt Michael Rochlitz, Referent für Katastrophenschutz bei den Maltesern. „Für die meisten Fahrzeuge bekommen wir vom Land pauschal 1000 Euro pro Jahr. So viel kostet bei manchen allein die Versicherung. Wir müssen also vorerst auf Verschleiß fahren.“ Theoretisch könne man sich zwar auf reinen Katastrophenschutz beschränken und dadurch zumindest steuerliche Vorteile sichern. „Aber dann hätten wir vielleicht fünf Jahre lang keinen Einsatz und würden entsprechend unattraktiv für unsere ehrenamtlichen Helfer.“

Bisher verdienen die Organisationen mit ihren rund 2000 ehrenamtlichen Sanitätern und Betreuern durch die Hilfe bei Großveranstaltungen selbst Geld. „Wir haben kein ganz akutes Problem“, sagt DRK-Landesgeschäftsführer Andreas Bode. „Aber perspektivisch wird der Senat ein Investitionsprogramm auflegen müssen.“ Auch gebe es für einzelne Fahrzeuge höhere Pauschalen, „aber vor allem in den west- und süddeutschen Ländern wird die entstandene Finanzierungslücke besser ausgeglichen“. Bayern habe nicht nur das Loch gestopft, sondern auch gleich ein Investitionsprogramm aufgelegt. In Berlin dagegen überlegen beispielsweise die Malteser, wie sie ihre Autos – zumeist ältere Kleinlaster – so einsetzen, dass die Gemeinnützigkeit gewahrt bleibt, aber möglichst wenig Kosten entstehen. Früher hat der Bund 600 Kilometer Jahresfahrleistung verlangt, damit sich die Autos nicht kaputtstehen.

Bis Ende März müssen die Organisationen entscheiden, welche Fahrzeuge sie übernehmen möchten. Das DRK hat – bis auf ein paar besonders verschlissene Exemplare – für seine 53 Fahrzeuge bereits zugesagt, ebenso die Malteser mit ihren 21 Autos. Die Johanniter sind noch unentschlossen, weil auch sie eine Finanzierungslücke fürchten.

Nach Auskunft der Innenverwaltung hat das Land knapp 500 000 Euro in den Haushalt eingestellt, inklusive Garagenmiete. Zudem erhielten die Helfer jährlich 100 000 Euro. Doch die werden nach Darstellung der Malteser mit den Fahrzeugpauschalen verrechnet, so dass am Ende auch davon rund ein Drittel abgezogen werde. Aus Sicht der Verwaltung ist die Finanzierung angemessen – „unter Berücksichtigung des Landeshaushaltes“, wie es einschränkend heißt. Stefan Jacobs

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben