Investor legt neue Pläne vor : Kunst statt Konsum im Postfuhramt

Erleichterung bei den Anwohnern des Postfuhramts in Mitte: Die neuen Pläne des Investors sehen keinen Shoppingbereich mehr vor. Lediglich ein Café für die Besucher der Galerie "C/O Berlin" ist geplant.

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Das Postfuhramt an der Oranienburger- Ecke Tucholskystraße. Foto: Thilo RückeisAlle Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
05.05.2011 13:11Das Postfuhramt an der Oranienburger- Ecke Tucholskystraße.

Gelebte Demokratie ist, wenn 45 Anwohner vor einem Bezirksamtssaal mit Investoren in ihrem Kiez diskutieren. Die einen mit Holzmodell in der Hand, die anderen mit Wut im Bauch. Eine Stunde vor der öffentlichen Sitzung des bezirklichen Bauauschusses waren sie in die Parochialstraße gekommen. Es ging um die Oranienburger Straße und darum, was aus dem Postfuhramt Ecke Tucholskystraße wird. „Stück für Stück verliert das Viertel seinen Charakter“, klagte Heinrich Burchard, der diesen Auflauf mit einem Aufruf mobilisiert hat.

Noch mehr Hotels und Shoppingpassagen dort im Kiez schienen möglich, seit das Postfuhramt 2010 vom israelischen Investor Elad gekauft wurde – und erste Pläne zeigten, dass der weitläufige Innenhof komplett zugebaut werden könnte. Im März waren die Pläne dann gestoppt worden. Mit einem neuen Bebauungsplan sicherte sich der Bezirk mehr Einfluss auf das Verfahren. Auch der Landesdenkmalrat hatte Pläne des Investors abgelehnt und der Bauvorbescheid war nicht verlängert worden.

Die Vertreter des Investors und Architekt Wolfgang Keilholz, der die Ideen des Bauherren und der israelischen Architektin Gal Nauer vor den Berliner Gremien vertritt, gaben sich vor den Verordneten geläutert. Die Bebauung ist nach den neuen Plänen deutlich verschlankt. Kein Shoppingbereich, lediglich ein Café für die Besucher der Galerie „C/O Berlin“ ist geplant. Zwei Gebäude entstehen neu, eines wird in die Rückseite der in den 50er Jahren rekonstruierten Fassade zur Oranienburger Straße integriert: Ein Hotel mit etwa 130 Betten. Das andere könnte auf Seite der Auguststraße stehen und wie auch die oberen Stockwerke des historischen Gebäudes Wohnungen beherbergen. „Äußerlich wird sich das Gebäude nicht verändern“, sagte der Architekt. Als „öffentlicher Durchgang“ zwischen Oranienburger und Auguststraße soll der Haupteingang künftig dienen. „25 Prozent des Gebäudes werden Hotel, 60 Prozent Wohnungen und der Rest ist für Kultur“, sagte Keilholz. Position bezog der Investor auch zur Galerie C/O, die lange um ihren Verbleib in den Räumen bis Ende des Jahres kämpfen musste. Auf jeden Fall bis 2012, gern auch länger, wolle man C/O halten. Baustadtrat Ephraim Gothe kündigte Verhandlungen an.

Ob Investor und Galerie zusammenfinden, scheint dennoch ungewiss. Mirko Nowak, Pressesprecher von C/O, hatte die alten Pläne stets als nicht akzeptabel bezeichnet, weil die Räume für die Galerie in einer Art Tiefgarage gelegen hätten. Die neuen Pläne werde man sich genau ansehen. Aber: „Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass es schwer ist, mit dem Investor zu sprechen.“ Er halte sich nicht immer an Absprachen. Anwohner Burchard ist aber indes positiv überrascht. „Es ist besser, als ich gedacht hätte – aber im Hof ist zu wenig Platz.“

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