Berlin : Investor will Ferienheim retten Berliner Freizeitstätte an der Ostsee wird verkauft

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Das Hansa-Haus in Kühlungsborn, ein beliebter Ferienort für Berliner Kinder, Jugendliche und sozial schwache Familien, wird verkauft. Aber es gibt Chancen, die denkmalgeschützte Immobilie am Ostseestrand als preisgünstige Freizeitstätte zu erhalten. Ein sozial engagierter Unternehmer ist bereit, das Objekt vom landeseigenen Liegenschaftsfonds zu erwerben und an einen gemeinnützigen Träger dauerhaft zu vermieten. Noch wird die Freizeitstätte vom Bezirk Reinickendorf betrieben. Aber die CDU/FDP-Mehrheit in der Bezirksverordnetenversammlung beschloss 2010, das Haus zu verkaufen.

Dem Bezirk war die Immobilie zu teuer geworden. Ein Verlust von jährlich 197 000 Euro wurde berechnet. Der Vorschlag der Grünen, unterstützt von der SPD, die traditionsreiche Freizeitstätte direkt an einen freien Träger zu vergeben, stieß beim Bezirksamt damals auf vergaberechtliche Bedenken. Die Immobilie darf nun vom Liegenschaftsfonds ohne soziale Zweckbindung meistbietend verkauft werden. Das Bieterverfahren soll in den nächsten Tagen starten.

Nun besteht die Gefahr, dass das 1904 erbaute und zunächst als Hotel geführte Gebäude an der Strandpromenade rein kommerziell genutzt wird. Allerdings interessiert sich auch ein seriöser Investor, der namentlich (noch) nicht genannt sein will, für das Haus. Er wäre bereit, es so zu vermieten, dass es für Kinder, Jugendliche und Familien zur Verfügung stünde. Ein Betreiber steht bereit: die gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen „Der Steg“. Seit 1983 betreut die GmbH mit 120 Mitarbeitern therapeutische Wohnungen und Beschäftigungsprojekte, vor allem im Norden Berlins.

„Für uns wäre das Haus in Kühlungsborn ein mittelgroßes Projekt“, sagt der Geschäftsführer des Trägers, Ernst Keim. Bei den Übernachtungs- und Verpflegungskosten wolle sich der Träger an den üblichen Sätzen für Schul-, Sport- oder Kitagruppen orientieren, sie lägen „also in etwa auf Jugendherbergsniveau“; etwas teurer als bisher. Auch Familien könnten dort weiter Ferien machen, verspricht Keim. Gruppen, die Behinderte integrieren, sollen aber bevorzugt werden. Mit dem potenziellen Käufer, der an der Immobilie nichts verdienen will, soll ein langfristiger Mietvertrag abgeschlossen werden. Allerdings ist das soziale Projekt nur finanzierbar, wenn die Immobilie nicht zum Höchstwert verkauft wird.

Doch normalerweise erhält der Meistbietende den Zuschlag. Auch wenn es der Reinickendorfer Baustadtrat Martin Lambert (CDU) „sehr begrüßen würde, wenn die Freizeitstätte in Kühlungsborn nach dem Verkauf für soziale Zwecke nutzbar bleibt“. Vom Kaufpreis bekommt der Bezirk eine Scheibe ab. „Ohne Probleme wäre ich bereit, bei einem Verkauf unter dem Höchstwert auf Gelder zu verzichten“, sagt Lambert. Auch der Reinickendorfer SPD-Chef Jörg Stroedter und Grünen-Haushälter Oliver Schruoffeneger, ebenfalls im Bezirk verwurzelt, unterstützen eine sozial- und jugendpolitisch sinnvolle Weiternutzung des Hansa-Hauses.

Laut Beschluss des Abgeordnetenhauses ist der Liegenschaftsfonds gehalten, die Verwertung öffentlicher Grundstücke auch an „wirtschafts-, wohnungs- und stadtentwicklungspolitischen Zielen“ auszurichten. Dazu zählt die „Sicherung von Standorten für die soziale Infrastruktur“. Ulrich Zawatka-Gerlach

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