Berlin : Ira Holl, Bankerin der Zukunft

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Zukunft auf 1200 Quadratmetern! Und eine Frau, die mit ihren großen, strahlenden Augen und der schicken dunkelblauen „Uniform“ mit dem dezenten Logo ihrer Bank am Revers an die Kommandantin eines Raumschiffes erinnert. Tatsächlich ist der große, lichte Raum bis zur Decke voll von moderner Technik. Glaswände, die sich auf Befehl färben, große Bildschirme, die im Boden verschwinden und eine Bar, in deren Tresen die drei Touchscreens eingelassen sind, mit denen die „Gäste“ beim Genießen ihres Cocktails ins Internet gelangen können. Diese „Deutsche Bank der Zukunft“ gibt es, sprudelt die Leiterin von Q110 begeistert, so nur in Berlin. Ein Jahr wird dieses Zukunftsprojekt in der Friedrichstraße im September alt.

Aber alt wirkt hier nichts. Nicht einmal die „Vorteils-Box“ mit den Vorschlägen zur Alterssicherung, die im Regal auf Interessenten wartet. Und davon gibt es offenbar viel mehr als erhofft. Nicht nur der oberste Ackermann war hier und hat gestaunt, es kommen auch immer mehr Mitarbeiter anderer Institute vorbei, um einen Blick in die Zukunft zu werfen, an einem der regelmäßigen Mittwochevents teilzunehmen oder einfach bei einem Kaffee und einem Buch zu verweilen und den Kindern beim Spielen in ihrer Ecke zuzusehen.

So viel Zukunft und Modernität waren der erfolgreichen Eisschnellläuferin aus der alten DDR bei ihrer Geburt in Malchin in MeckPom nicht selbstverständlich vorausbestimmt. Sport und Biologie hatte sie zunächst in Rostock studiert. Ohne engere Bindungen zur Partei war damit kein Blumentopf zu gewinnen. Also ging es nach Berlin-Ost, erst als Verkäuferin und dann zur Staatsbank. Als Fernstudentin wurde sie nun eine Ökonomin mit der Spezialität Industrie. Das war die persönliche Wende der jungen Mutter und der früh vom ersten Mann geschiedenen ehrgeizigen Frau zum „Banking“. Das hat sie seitdem gründlich gelernt und betrieben. Als Geschäftskundenbetreuerin mal in Stade, mal in Neubrandenburg und zuletzt als Filialleiterin in Berlin am Halensee.

Ihre Berufung in das Vorzeigeprojekt in der Friedrichstraße kam für sie zwar überraschend. Aber sie ist von der Aufgabe sichtlich begeistert, und damit steckt sie auch die gut 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Zukunftslabor an. Jeden Morgen sitzen sie zusammen und besprechen den Tag. Der geht bis abends 20 Uhr. Sie freuen sich gemeinsam über die gut 200 000 Besucher im ersten Jahr, über die hohe Quote bei der Neukundengewinnung und über die durchschnittlich 30 Minuten Verweildauer ihrer Gäste.

Privat wohnt die beeindruckend lebendige „Bankerin der Zukunft“ schon seit 1999 in Heiligensee mit ihrem Lebenspartner – auch ein deutscher Banker – dem Sohn und den zwei Vögeln Willi und Else. Von dort ist es ein „schneller Sprint zur Ostsee“ und im Winter geht es, wenn möglich, aufs Eis.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Ira Holl (43),

Die frühere Eisschnellläuferin und Ökonomin leitet die Filiale „Q110“, „Die Deutsche Bank der Zukunft“ in Berlin-Mitte, Friedrichstraße 181.

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