Berlin : Irene B. entschuldigt sich bei Charité

Klinikchef besuchte mordverdächtige Krankenschwester in Untersuchungshaft

Tanja Buntrock

Am Mittwoch um 9 Uhr war es soweit: Der Direktor der Klinik für Kardiologie an der Charité, Gert Baumann, hat die unter Mordverdacht stehende Krankenschwester Irene B. im Gefängnis besucht. Eine Stunde durfte Baumann, der in Begleitung einer leitenden Oberärztin in die Pankower Frauenhaftanstalt in der Arkonastraße gefahren war, mit Irene B. sprechen. „Es sind dabei weder strafrechtliche noch arbeitsrechtliche Aspekte besprochen worden“, sagte der Anwalt von Irene B., Mirko Röder, anschließend.

Doch eines habe Irene B. am Herzen gelegen: „Sie hat bedauert, dass durch ihre Taten die Charité so in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gelangt ist. Es tut ihr sehr leid, dass dadurch so viel Druck auf der Klinik und den Mitarbeitern lastet“, sagte der Anwalt. Seine Mandantin sei „sehr dankbar für das Gespräch mit dem Professor“ gewesen. Die Klinik-Leitung habe sich „außerordentlich korrekt verhalten“. Wie ihre emotionale Verfassung bei der Begegnung war, wollte Röder nicht kommentieren. Auch Gert Baumann, der Chef der Kardiologie, äußerte sich im Detail zu dem Gespräch nicht. „Es sind sehr persönliche Dinge besprochen worden“, ließ er ausrichten.

Wie berichtet sitzt die Krankenschwester in Untersuchungshaft, weil sie zwei schwerkranke Patienten auf der Charité-Intensivstation durch eine Arznei-Überdosis getötet haben soll. Beide Taten hatte die 54-Jährige gestanden.

Auch der ehemalige Arbeitgeber der Krankenschwester, das Jüdische Krankenhaus, prüft derzeit Patientenakten. Den Verdacht, dass in diesem Zusammenhang weitere Todesfälle mit seiner Mandantin auftauchen, wies Mirko Röder als „absurd“ zurück. Der Anwalt rief zu Fairness im Umgang mit seiner Mandantin auf. „Auch wenn sie in U-Haft sitzt, ist sie kein Freiwild.“ Er berichtete, dass Irene B.s Zustand stabil sei. Sie nutzte die Zeit in der Haft, um zu sich zu kommen. „Arbeiten oder sonstige Aktivitäten sind in der U-Haft nicht möglich“, sagte er.

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