Berlin : Ironie mit Rhythmus

Zur ersten Berlinale rückten noch Dudelsackpfeifer an. Jetzt sind es eine Bluegrass-Band und die Wainwrights.

von
Musik ist Trumpf. Die Bluegrass-Band in „The Broken Circle Breakdown“. Foto: Promo
Musik ist Trumpf. Die Bluegrass-Band in „The Broken Circle Breakdown“. Foto: Promo

Eigentlich schade: Dudelsackpfeifer wird es diesmal keine geben. Nicht so wie bei der ersten Berlinale 1951, als in der Waldbühne die Musiker des schottischen Bataillons „The Black Watch“ anrückten und den Berlinern den Marsch bliesen.

In diesem Jahr dagegen: „Kleiner Bär von Berlin“, ein lokalpatriotischer Evergreen von 1952, zur Eröffnungsgala nicht ohne Ironie dargeboten von Ulrich Tukur und The Rhythmus Boys. Denn was wäre so eine Berlinale ohne Noten? Und es geht munter, globaler auch weiter, am Sonntagnachmittag zum Beispiel, als die Bluegrass-Band aus dem Panorama-Film „The Broken Circle Breakdown“ im Gropius-Bau auf dem European Film Market einfiel. Ihr großer Auftritt stand ihr dann am Abend auf der vorgezogenen Premierenparty im Bassy Club in der Schönhauser Allee bevor. Auch die Hauptdarsteller Veerle Baetens und Johan Heldenberg sollten wieder ans Mikrophon treten, wie sie das schon vor der Kamera getan haben – in Felix van Groeningens Film um einen Bluegrass-Banjospieler und eine Tätowiererin.

Auch zum Panorama-Film „Sing Me the Songs that Say I Love You – A Concert for Kate McGarrigle“ wird es musikalische Begleitung geben. Der Streifen dokumentiert ein Konzert, das 2011 im New Yorker Town Hall Theatre zu Ehren der im Jahr zuvor verstorbenen kanadischen Sängerin und Songwriterin Kate McGarrigle gegeben wurde. Beteiligt waren die Kinder der Sängerin, Rufus und Martha Wainwright. Der Singer-Songwriter wird auf der Teddy-Gala am Freitag in der „Station“ am Gleisdreieck auftreten, seine Schwester tags darauf im ehemaligen Haus Ungarn (HBC) in der Karl-Liebknecht-Straße.

Solche Parallelkonzerte haben Tradition auf der Berlinale. 1996 beispielsweise, anlässlich von „12 Monkeys“, rockte Bruce Willis in der Moabiter Universal-Hall, drei Jahre später („Breakfast of Champions“) machte er auf DJ im Planet Hollywood. Und 2008, als die Stones, Madonna, Neil Young und Patti Smith Filme vorstellten, gab Patti ein umjubeltes Konzert in der Passionskirche und spendierte den Journalisten auf ihrer Berlinale-Pressekonferenz sogar einen kleinen Extra-Auftritt mit Gitarre: „My Blakean Year“. Andreas Conrad

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben