Berlin : Islam Kolleg will Kreuzberger Grundschule kaufen

Verein wegen Übernahme bereits im Gespräch mit dem Bezirksamt

Susanne Vieth-Entus

Der Trägerverein der Islamischen Grundschule, das Islam Kolleg, hat Interesse am Kauf der ab Sommer leer stehenden Kreuzberger Rosegger-Grundschule angemeldet. Dies bestätigte der Vorstandsvorsitzende Zeki Bina auf Anfrage. Man sei auf der Suche nach „besseren Räumlichkeiten“. Ob mit einem Umzug auch eine Expansion der Schule einhergehen soll, wollte Bina nicht sagen. Bislang ist die Schule extrem beengt in einem sanierungsbedürftigen Hinterhaus in der Boppstraße 4 in Kreuzberg untergebracht. Dort hat nur eine Klasse pro Jahrgangsstufe Platz. Mit diesen sechs Klassen existiert die Schule seit 1989. Im Jahr 1995 erhielt sie den Status als anerkannte Privatschule und hat somit Anspruch auf staatliche Förderung gemäß Privatschulgesetz.

Im Bezirksamt Kreuzberg-Friedrichshain ist das Islam Kolleg bereits wegen des Kaufs der Rosegger-Schule vorstellig geworden. Neben diesem historischen Gebäude hat auch die Kurt-Held-Grundschule das Interesse des Vereins gefunden. Denn auch dieser Schule droht mangels Schüler das Aus. Ob es zur Schließung kommt, werde aber erst in der zweiten Jahreshälfte entschieden, sagt Marion Belicke vom bezirklichen Schulamt. So einfach verkaufen kann das Bezirksamt die Gebäude aber nicht. „Der Liegenschaftsfonds muss die Schule ausschreiben“, heißt es dazu im Grundstücksamt. Deshalb sei noch gar nicht absehbar, wer das alte Schulhaus letztlich erwerben könne.

Viele liberale Moslems stehen der Islamischen Grundschule skeptisch gegenüber. Sowohl die Schulleiterin als auch etliche Lehrerinnen unterrichten grundsätzlich mit Kopftuch. Dem Tagesspiegel gegenüber meinte eine der Lehrerinnen, dass der Koran das Bedecken des Kopfes gebiete. Der Einfluss der Lehrerinnen führt dazu, dass letztlich fast alle Schülerinnen im Laufe ihrer Schulzeit in der Boppstraße damit beginnen, Kopftücher zu tragen. Bekannt wurde die Schule auch über Berlin hinaus, als die durch die Karlsruher Kopftuchklage bekannt gewordene Fereschda Ludin hier als Lehrerin unterkam.

Ansonsten macht die Schule wenig von sich reden. Der letzte Unterrichtsbesuch durch die Senatsverwaltung für Bildung fand im Jahr 2001 statt. Beanstandungen gab es nicht. Dennoch plädiert der Vorsitzende des CDU-Forums Bildung, Gerhard Schmid, dafür, die Schule genauer im Auge zu behalten. Angesichts der zunehmenden islamistischen Tendenzen insbesondere in Kreuzberg könne es nicht sein, dass die Senatsverwaltung für Bildung jahrelang keinen Gebrauch von ihrem Recht mache, die Islamische Grundschule mittels Unterrichtsbesuchen im Auge zu behalten, so Schmid. Andernfalls könne man nicht kontrollieren, ob die Schule dem nachkomme, was im Genehmigungsschreiben der Bildungsverwaltung aus dem Jahr 1995 steht: „Die religiöse Erziehung der Schülerinnen und Schüler muss auf Formen des islamischen Lebens abzielen, das in einem Europa der vielen Kulturen seinen legitimen Platz hat und den Normen des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland entspricht.“

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