Berlin : Islam-Lehrer: Wir spenden freiwillig

Betroffene widersprechen dem Verdacht, dass Abgaben von ihnen erpresst wurden

Ariane Bemmer

Dem Wortführer gelingt es zwischendurch kaum, seine Empörung zu beherrschen, die Stimme wird schneidend, als er ruft: „Wie können wir den Argwohn denn abbauen?“ Er wittert eine politische Kampagne. Gegen den Religionsunterricht der Islamischen Föderation, IFB.

Acht Männer und eine Frau haben sich gestern in den Räumen der IFB in Kreuzberg versammelt, dort, wo vergangenen Donnerstag die Polizei nach belastenden Unterlagen gesucht hat. Sie sind neun von 20 Religionslehrern, die als Angestellte der Föderation an 31 Grundschulen unterrichten. Sie wollten die Vorwürfe entkräften, die der geschasste IFB-Geschäftsführer V. erhoben hat: Dass sie von der neuen Vereinsführung gezwungen würden, 20 Prozent ihres Gehalts an die Föderation zu spenden. Das wäre strafbarer Subventionsbetrug, denn 90 Prozent ihrer Gehälter zahlt das Land Berlin (wir berichteten).

Wortführer der Lehrer ist Oguz Celik, der seit fünf Jahren an der Hunsrück- Schule unterrichtet. Er betont, dass V. der „ehemalige Geschäftsführer“ sei und mutmaßt, dass der eventuell aus Rache über seine Abwahl die Vorwürfe „frei erfunden“ habe. Niemand werde von der Föderation gezwungen oder genötigt, Geld zu spenden. Niemandem sei mit einer Kündigung gedroht worden. Niemand habe V. so etwas zur Kenntnis gegeben. Niemand habe ihn um Hilfe gebeten. Allerdings „ist es kein Geheimnis, dass wir großzügig gespendet haben“, sagt Celik. Zwischen zehn und 155 Euro monatlich liegen die monatlichen Beträge, die mit Spendenquittung auch dem Finanzamt eingereicht würden.

Özlem Özciftci, die Frau in der Runde, erzählt von dem Tag, als die Polizei in die Schule gekommen sei, um sie vor Schülern und Lehrern zu befragen. Sie habe sich gefühlt wie eine Täterin, sagt sie und nennt die Reaktionen von Justiz und Politik auf V.s Anschuldigungen überzogen. Özciftcis Name steht auf einer Liste, die V. als Liste der Geschädigten veröffentlicht hat. Sie kenne V. gar nicht, sagte die Lehrerin, und wisse nicht, wieso er in ihrem Namen spreche.

Die Senatsverwaltung für Kultur, von der die Unterstützung für die Lehrergehälter kommt, hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Auszahlung einer Tranche von 200 000 Euro gestoppt. Man warte noch auf eine Stellungnahme der Föderation, hieß es gestern. Ein entsprechender „Sachbericht 2005“ ist laut den Lehrern inzwischen fertig und werde jetzt übergeben. In dem soll es nicht nur um die Spenden gehen. Es sollen laut Kulturverwaltung auch die Umstände der Abwahl V.s und der Neuwahl des Vorstands erhellt werden. Der neue Geschäftsführer ist Burhan Kesici, der auch als Religionslehrer tätig ist. Er war gestern nicht dabei, als die neun Kollegen ihre Sicht darstellten.

Einen „enormen Imageschaden“ für den islamischen Religionsunterricht befürchtet Celik durch diese neuerliche Aufregung. Er beklagt, dass Schulsenator Klaus Böger ihre Arbeit nicht schätze. Celik fordert, dass endlich zur Kenntnis genommen werde, wie gut die IFB-Lehrer an den Schulen zur Integration beitragen würden. Weil sie als Vermittler zwischen Schule und Eltern auftreten und Konflikte entschärfen könnten. „Wir haben viel gemacht und viel erreicht“, ruft Celik aufgebracht. Auch Özlem Özciftci beschwört die selbstbewussten IFB-Lehrer. „So schüchtern sind wir nicht, dass wir uns erpressen ließen“, sagt sie.

V. selbst erstaunen die Erklärungen der Lehrer nicht. Das habe überhaupt nichts zu bedeuten, erklärte er auf Anfrage. Die würden alle von der Föderation unter Druck gesetzt.

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