Berlin : Islamische Föderation auf Entspannungskurs

Nach harscher Kritik wird die Expansion beim Islamunterricht leicht eingedämmt – statt 15 kommen elf neue Schulen hinzu

Susanne Vieth-Entus

Der Ton zwischen den Grundschulen und der Islamischen Föderation verschärft sich. Aus Sorge über den wachsenden Einfluss des Vereins reagieren die Schulen zunehmend kritisch und versuchen, Eltern von der Teilnahme am Islamunterricht abzuhalten. Die Föderation will nun die Situation entspannen, indem sie weniger stark expandiert als geplant.

„Wir wollen den Druck etwas rausnehmen“, begründet Vorstandsmitglied Burhan Kesici den Teil-Rückzug. Gestern erfuhren die Heinrich-Zille-, Karlsgarten-, Mierendorff- und Bruno-Taut-Grundschule, dass sie im nächsten Schuljahr keinen Islam-Unterricht einführen müssen.

Die vier Schulen reagierten erleichtert. „Man kann doch gar nicht überprüfen, was da im Unterricht abläuft“, begründet die Leiterin der Karlsgarten-Grundschule, Silvia Kröger, ihre Vorbehalte gegen die Präsenz der Islamlehrer.

Kröger und ihre Kollegen befürchten, dass sie zum Anziehungspunkt für streng religiöse Familien werden, sobald die Föderation Fuß gefasst hat. Zudem haben sie Sorge, dass den Jungen und Mädchen das islamische Verständnis der Geschlechterrollen anerzogen wird und man in dieser Hinsicht „wieder im Mittelalter landet“, wie es eine Neuköllner Schulleiterin ausdrückt.

Kesici will derartige Befürchtungen zerstreuen und gestattete deshalb dem Tagesspiegel die Teilnahme an einer Islam-Stunde der Neumark-Grundschule. Lehrerin Aynur Bulut ließ die Drittklässler Sprüche von Mohammed auswählen, die sie dann mit Basteleien versahen. Wie andere Lehrerinnen der Föderation hält sie das Kopftuch für unabdingbar, betont aber, dass sie die Kinder in dieser Hinsicht nicht beeinflusse.

Dies aber stellen die Schulleiter in Frage. Immer mehr Mädchen kämen mit Kopftuch zur Schule, bedauert Astrid-Sabine Busse von der Grundschule in der Köllnischen Heide, wo rund 100 Kinder am Islam-Unterricht teilnehmen. Gerade habe der Islamlehrer ein Mädchen kritisiert, weil es Nagellack benutzte. Zudem werde durch Hausbesuche versucht, Familien für den Islam–Unterricht zu werben. Laut Kesici ist die Föderation an diesen Hausbesuchen nicht beteiligt. Zudem bestreitet er, dass die Lehrer den Mädchen Vorschriften machen wollten, was Nagellack oder Kopftuch anbelangt. Das könne jede Familie selbst entscheiden.

Nach den Ferien werden die Kollegien wieder viel Gelegenheit haben, sich mit der Föderation auseinander zu setzen: Elf zusätzliche Schulen bekommen Islamlehrer, damit steigt die Gesamtzahl der betroffenen Schulen auf 39.

Die Liste der Schulen unter

www.islamische-foederation.de

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