Berlin : Islamischen Friedhöfe in Berlin fast überfüllt

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Am Mittwoch berichtete die Hürriyet in ihrer wöchentlichen Berlin-Beilage über die türkischen Friedhöfe in Berlin. Nach wie vor gibt es zwei: einen am Columbiadamm in Tempelhof und einen auf dem Landschaftsfriedhof Gatow. Der bebilderte Artikel war relativ kurz und dennoch sagte er viel über die Lebenssituation der Türken in Berlin aus.

Auf dem Friedhof am Columbiadamm wird seit Jahrzehnten wegen Überbelegung nicht mehr bestattet. In Gatow kann die Türkisch-Islamische-Union (DITIB) seit 1988 auf einem Teil der Fläche auf drei Parzellen nach Mekka gerichtete Beisetzungen vornehmen. „Seitdem sind etwa tausend Landsleute auf auf diesem Friedhof beigesetzt worden“, schrieb die Zeitung und stellte auch auf diesem Gebiet eine veränderte Lebensweise der Berliner Türken fest. „Während die Türken früher nur ihre tot geborenen Babys hier bestattet haben, beerdigen sie jetzt immer öfter auch die Erwachsenen in Berlin.“ Auch die dritte Parzelle sei deshalb schon fast zur Hälfte belegt. Dann folgte ein Service-Teil: „Für 20 Jahre kostet ein Platz 350 Euro. Wenn man einen Platz kaufen will, kostet es 1600 Euro. Eine weitere Verlängerung um 20 Jahre kostet dagegen 1200 Euro“, schrieb die Zeitung weiter.

Muslimische Tote werden eigentlich nackt und in weiße Leichentücher gewickelt beerdigt. Obwohl dies hier nicht erlaubt ist, wollen die Türken ihre Toten hier bestatten, weil sie in Berlin sesshaft geworden sind. Es sind also nicht finanzielle Gründe, die die Türken dazu bringen, ihre Verwandten im Sarg zu beerdigen. Überführungen in die Türkei sind zum einen gar nicht so teuer, wie viele denken. Außerdem gibt es auch für diese Fälle Versicherungen.

Ganz außer Acht kann man den finanziellen Aspekt dennoch nicht lassen. „Die Kosten der Bestattung bei Verstorbenen ohne Angehörige übernimmt das Sozialamt“, hieß es in dem Artikel außerdem. Für manche der Verstorbenen fühlt sich tatsächlich kein Lebender verantwortlich. Aber auch ein anderer Fall ist bekannt. Ein obdachloser Türke hat sich im vergangenen Jahr nicht im Krankenhaus gemeldet, nachdem seine Frau gestorben war, weil er Angst hatte, dass er die Beerdigungskosten zahlen müsse.

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