• Islamischer Religionsunterricht: Islamische Föderation rudert zurück - Weitere Moslem-Organisationen stellen Anträge

Berlin : Islamischer Religionsunterricht: Islamische Föderation rudert zurück - Weitere Moslem-Organisationen stellen Anträge

Susanne Vieth-Entus

Die Islamische Föderation will im kommenden Schuljahr an zwei Schulen mit dem Islamunterricht beginnen. Die mündliche Genehmigung der Senatsschulverwaltung liege bereits vor, so ihr Justitiar Abdurrahin Vural auf Anfrage. Bei einer der Schulen handelt es sich um die Kreuzberger Fichtelgebirge-Schule. Die andere Schule wird in Wedding liegen, den Namen wollte Vural noch nicht nennen.

Noch im Mai hatte die Islamische Föderation angekündigt, es gebe bereits Nachfrage an über 20 Schulen. Nun heißt es, man wolle lieber klein anfangen, damit die Senatsschulverwaltung "keinen Schreck" bekomme und keine Probleme bei der Finanzierung der benötigten Lehrer entstünden, begründet Vural die plötzliche Zurückhaltung. Zudem könne man auf diese Weise zeigen, "dass die Islamische Föderation den Unterricht machen kann", ergänzt Vorstandsmitglied Burhan Kesici. Im Schuljahr 2001/02 werde man dann aber mit etwa 20 Schulen beginnen. Es gebe auch bereits etliche Bewerbungen von interessierten Lehrern. Der Pädagoge, der bereits im kommenden Schuljahr mit dem Unterricht beginnen soll, arbeite zurzeit allerdings nicht als Lehrer, sondern lediglich als Betreuer an einer Berliner Schule, räumte Kesici ein.

Auf die Frage, warum die Fichtelgebirge-Grundschule noch nicht von den Plänen der Föderation unterichtet wurde, sagte Kesici gestern, er sei gerade im Begriff, sie anzurufen. Aus der Schule war lediglich zu erfahren, man sei "interessiert" an dem Unterrichtsangebot. Die Schule im Wrangelkiez wird von knapp 70 Prozent Schülern nichtdeutscher Herkunft besucht, darunter vor allem Türken.

Wann die Senatsschulverwaltung die schriftliche Genehmigung an die Islamische Föderation erteilt, war gestern nicht zu erfahren. Allerdings ist seit langem bekannt, dass der Rahmenplan der Föderation keinen Raum für Beanstandungen lässt. Zudem hatte das Bundesverwaltungsgericht den Senat aufgefordert, den Antrag der Föderation umgehend zu bearbeiten. Wie berichtet, hatte das Gericht entschieden, die Föderation sei eine Religionsgemeinschaft und von daher berechtigt, in öffentlichen Schulen Unterricht anzubieten. Für die Personalkosten muss das Land aufkommen.

Unterdessen läuft die Debatte um den zukünftigen Status des Religions- und Weltanschauungsunterrichts an der Berliner Schule weiter. Die Zeit drängt, denn inzwischen liegen zwei weitere Anträge auf Erteilung von Islamunterricht vor: Die Anatolischen Alewiten und der Verband der islamischen Kulturzentren seien jetzt in der Senatsschulverwaltung vorstellig geworden, teilte die Presestelle von Schulsenator Klaus Böger (SPD) auf Anfrage mit.

Die Anatolischen Alewiten hatten sich zunächst bemüht, zusammen mit anderen gemäßigten türkischen Organisationen eine gemeinsame Alternative zum Angebot der Föderation zu finden. Dies ist nun offenbar gescheitert.

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